BUENOS AIRES taz
Das Wahlergebnis war symbolisch: 58 Abgeordnete stimmten mit Ja, 57 mit Nein. Damit wurde Isabel Allende am Dienstag mit hauchdünner Mehrheit zur Präsidentin des chilenischen Parlaments gewählt. Fast 30 Jahre nachdem ihr Vater Salvador Allende als Präsident Chiles von putschenden Militärs gestürzt wurde, wird seine Tochter Isabel Allende - nicht identisch mit der Schriftstellerin Isabel Allende, einer Nichte des ehemaligen Präsidenten - damit Parlamentspräsidentin.
Keine Selbstverständlichkeit - obwohl ihre Sozialistische Partei zur breiten Regierungskoalition mit den Christdemokraten gehört, die von dem Mitte-links-Präsidenten Ricardo Lagos angeführt wird. Wenn Allende am 11. September diesen Jahres die Sondersitzung des chilenischen Parlaments zum 30. Jahrestag des Putsches leiten wird, dann wird nur eine Hälfte des Landes trauern. Die andere feiert den von Augusto Pinochet geführten Militärcoup noch immer als Befreiung vom Sozialismus.
In ihrer ersten Rede als Parlamentspräsidentin erinnerte Allende am Dienstag an ihren Vater, der den Putsch nicht überlebte. Sie rief dazu auf, "die Verletzungen zu reparieren" die aus der Diktatur (1973-1990) in Chile "noch immer fortbestehen". Dazu gehöre auch, die Erinnerung an das Geschehene nicht zu negieren. Isabel Allende selbst konnte sich vor den blutigen Pinochet-Militärs retten. Gemeinsam mit ihrer Schwester gelang es ihr, nach Mexiko zu flüchten. Ende der 80er-Jahre kam sie aus dem Exil zurück nach Chile und engagiert sich seither in der Sozialistischen Partei. Als Exdiktator Pinochet 1998 in London verhaftet wurde, engagierte sich Isabel Allende besonders für seine Auslieferung nach Spanien, wo ihm der Prozess gemacht werden sollte. Nicht zuletzt deshalb ist ihre Wahl für Chiles Rechte heute ein besonderer Affront.
INGO MALCHER
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