• 10.05.2003

Boris Beresowski

Boris Abramowitsch Beresowski wird am 23. Januar 1946 als Sohn eines jüdisch-russischen Akademikerehepaars in Moskau geboren. Als Mathe-As studiert er an sowjetischen Eliteinstituten. Mit 37 habilitiert er sich mit dem Thema "Verhaltenssteuerung in ungewöhnlichen Situationen". Seit den Siebzigerjahren leitet er ein Labor am Institut für Management der Akademie der Wissenschaften.


1989 gründet Beresowski die Aktionärsgesellschaft Logowas, ein russisch-schweizerisches Joint Venture. Die Autohandelskette baut er zu einer weit verzweigten Industrieholding aus. Ein Attentat katapultiert ihn im Juli 1994 ins Rampenlicht. Im November 1994 wird er stellvertretender Vorstandsvorsitzender des neu gegründeten Senders ORT. In der Folgezeit erwirbt er den Fernsehkanal TV 6 sowie drei Tageszeitungen.


Die Publikation von Jelzins Memoiren verschafft ihm Zugang zur "Familie", dem inneren Kreis des Präsidenten. 1996 erhält Beresowski Sonderlizenzen zur Ausfuhr strategisch wichtiger Rohstoffe. Er erwirbt mit Roman Abramowitsch die Kontrolle über den Ölkonzern Sibneft und kann die Auslandsgelder von Aeroflot verwalten. Jelzin ernennt ihn zum Stellvertretenden Sekretär des Sicherheitsrats, der auch die militärischen Angelegenheiten in Tschetschenien koordiniert. Als er in den Verdacht gerät, der Banker der extremistischen tschetschenischen Entführer zu sein, entlässt ihn Jelzin 1997 aus dem Sicherheitsrat. Doch im Jahr darauf ist er bereits Sekretär des Exekutivrats der GUS-Staaten.


1999 beginnt die russische Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen illegaler Geschäftstätigkeiten und Geldwäsche. Beresowski verliert seinen Posten als Exekutivsekretär, das Verfahren wird eingestellt. Im Herbst 1999 übernehmen Beresowski und Abramowitsch zwei Drittel der russischen Aluminiumindustrie. Beresowski erhält als Abgeordneter kurz darauf einen Sitz in der Staatsduma und somit politische Immunität. Zuvor hat er die Entlassung der Ministerpräsidenten Kirijenko, Primakow und Stepaschin betrieben, die Wahl Putins zum Chef des FSB, zum Ministerpräsidenten und im März 2000 zum Präsidenten lanciert.


Im Juni 2000 verkündet Beresowski, Putin sei zu autoritär, eine starke Opposition sei vonnöten. Daraufhin werden die Ermittlungen gegen zwei seiner Schweizer Firmen wegen Veruntreuung von Aeroflot-Geldern wieder aufgenommen. Vor die Wahl gestellt, "politischer Gefangener oder politischer Flüchtling zu sein", bleibt Beresowski im November 2000 im Westen. Im Januar 2001 muss er 49 Prozent der Aktien von ORT an Abramowitsch verkaufen, ein halbes Jahr später auch seine Aeroflot-Aktien abstoßen. Ein Verfahren im Zusammenhang mit der Sibneft-Privatisierung wird eingeleitet. Abramowitsch erhält Beresowskis Aktienpaket, das Verfahren wird eingestellt.


Im Sommer 2001 gründen Sergej Juschenkow, Wladimir Golowljow und Beresowski die oppositionelle Partei "Liberales Russland". Im August 2002 wird Golowljow ermordet. Nach einem Interview Beresowskis mit dem Nationalpatrioten Alexander Prochanow in Sawtra drängt Juschenkow auf Beresowskis Parteiausschluss. Teile der Partei halten jedoch zu Beresowski, die Partei spaltet sich. Am 17. April wird Juschenkow ermordet. Beresowski präsentiert der russischen Staatsanwaltschaft ein Schreiben, in dem Juschenkow den FSB verdächtigt, ein Attentat auf ihn zu planen. Seit dem 24. März kann Beresowski England nicht mehr verlassen, Russland fordert seine Auslieferung.

BARBARA LEHMANN

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