• 13.06.2003

Protest von Budni & Co

Neuer Ärger für Bildungsbehörde: Hamburger Handelsbetriebe fordern Stopp der Berufsschul-Privatisierung. Konzept nicht überzeugend, aufgebläht und kompliziert

Mit seinen Plänen zur Privatisierung der Hamburger Berufsschulen schießt Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) offenbar weit übers Ziel hinaus. Die geplante Überführung der 48 Berufsschulen in eine Stiftung in Kooperation mit der Handelskammer ist in Wirtschaftskreisen höchst umstritten. "Wir fühlen uns durch die Handelskammer nicht vertreten", heißt es in einer Erklärung des Schulbeirats der Handelsschule Lämmermarkt im Namen "der Ausbildungsbetriebe des Hamburger Außenhandels". Man sei "erschrocken", so Beiratsvorsitzender Andreas Dunkelberg, dass die Kammer scheinbar völlig abgehoben von der Basis und ohne Rücksprache mit Betrieben ein solches Projekt anschiebe. Das bisherige Verfahren sei "sofort zu stoppen".

Unterstützt wird diese Erklärung von 28 Vertretern namhafter Hamburger Unternehmen, die Außenhandelskaufleute ausbilden, darunter die Alfred C. Toepfer International GmbH, die Drogeriekette Budnikowski, die Tchibo-Kaffee GmbH und die Bernhard Rothfos GmbH: "Wir sehen keinen Handlungsbedarf. Die Sache ist überhaupt nicht ausdiskutiert", so Dunkelberg.

In einer Befragung der Betriebe durch die Kammer habe es keinerlei Kritik an der gegenwärtigen Arbeit der Berufsschulen gegeben. Im Gegenteil, zurzeit hätten die Ausbildungsbetriebe über die Schulbeiräte Einfluss auf die "für das jeweilige Berufsbild notwendige Organisation". Sollte das Stiftungsmodell sich durchsetzten, entstünde ein "aufgeblähtes, kompliziertes Entscheidungssystem", in dem zwar Kammerfunktionäre, keineswegs aber die Ausbildungsbetriebe Einfluß hätten. Auch im Bereich Banken und Versicherungen gebe es massive Bedenken dieser Art.

Für das Stiftungsmodell hatte die Unternehmensberatung "Putz & Partner" im April ein Eckpunkte-Papier vorgelegt, das unter anderem eine Dominanz von Wirtschaftsvertretern im Stiftungs-Vorstand vorsieht. Die Schulbeiräte haben in dem Modell nur noch eine vage beratende Funktion.

Laut Behördensprecher Alexander Luckow stehen derzeit noch gar nicht alle Details fest, sie würden in drei internen Arbeitsgruppen besprochen, deren Ergebnisse im Juli - also während der Ferien - veröffentlicht werden. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Schüler- und Elternkammer sammelt derzeit 10.000 Unterschriften für eine Volksinitiative, um die Privatisierung zu stoppen. KAIJA KUTTER

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