Es war nur eine Frage der Zeit, bis das 80er-Jahre-Revival im deutschen Film ankommen würde. Weil das Medium aber die Synapsen nahezu sämtlicher Sinne stimuliert, kann die Peinlichkeit unerträglich werden, die beim Klamottentragen oder Musikhören noch mit interesseloser Ironie angeeignet wird. Unter den Retro-Filmen der letzten und der kommenden Zeit macht da auch Die Ritterinnen keine Ausnahme. In einer Mischung aus Spiel- und Dokumentarszenen erzählt Barbara Teufel die Geschichte einer Frauen- und Lesben-WG im Kreuzberg der späten 80er, in der sie selbst gelebt hat.
Peinlich sind weniger die mit überragenden Schauspielerinnen bestückten Spielszenen. Auch die Dialoge und das Gerede auf Politplena kann, wer sich erinnert, durchaus für wahrhaftig halten. Erstaunlich flüssig ist die Unterbrechung der Handlung durch Interviews mit den realen Ritterinnen oder durch Aufnahmen vom Revolutionären 1. Mai und den Demonstrationen zum IWF-Gipfeltreffen in Berlin geraten. Nicht auszuhalten ist lediglich die Rahmung der Geschichte. Da inszeniert sich Teufel selbst als nostalgisches Subjekt, das heute mit Kleinkind und sehr grünem Garten weit glücklicher zu sein scheint als damals im Frauenkollektiv. Anders als Sie haben Knut, der demnächst im Kino die Synapsen strapazieren wird, verrät dieser Film aber nicht die Träume von einem anderen Leben, die Autonome in den 80ern umtrieben. XML
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