taz: Ist das Scheitern der WTO-Konferenz ein Sieg für die Entwicklungsländer?
Yash Tandon: Auf jeden Fall. Und gleichzeitig bedeutet es für jene Länder ein Scheitern, die den Entwicklungsländern normalerweise ihren Willen aufzwingen.
Welche Länder sind das?
Vor allem die USA und die EU. Die haben sich uns gegenüber sehr, sehr arrogant verhalten. Genau genommen haben sie unseren Anliegen nie viel Bedeutung geschenkt. Das fällt jetzt auf sie zurück.
Was haben sie falsch gemacht?
Sie haben in Cancún durchgesetzt, dass nur über die Themen gesprochen werden, die ihnen selbst am Herzen liegen. Aber die berühmte Doha-Agenda sollte ausdrücklich eine Entwicklungsagenda werden.
Welche Themen hätten stattdessen besprochen werden sollen?
Auf die Tagesordnung hätten Zollsenkungen für verarbeitete Waren gehört - auf die die EU und die USA nach wie vor hohe Zölle erheben. Außerdem Nahrungsmittelsicherheit, finanzielle Hilfen für Entwicklungsländer, der Verfall der Rohstoffpreise, unter dem ja vor allem die Entwicklungsländer leiden, weil sie Rohstoffe exportieren. Aber nein, stattdessen haben sich die EU und die USA an den so genannten Singapur-Themen festgebissen. Wir haben aber von vornherein gesagt, darüber wollen wir nicht verhandeln.
Warum eigentlich nicht? Ein Investitionsabkommen könnte ausländisches Kapital ins Land holen. Das würde Ländern wie Uganda nutzen.
Manche Arten von Investitionen vielleicht. Aber wir haben Angst vor solchem Kapital, das kurzfristig ins Land fließt und dann genauso schnell wieder aus dem Land wegfließt. Die Folgen konnten wir bei den Finanzkrisen in Asien und Südamerika beobachten.
Der EU-Entwurf für ein Investitionsabkommen schließt reine Geldinvestitionen aus.
Mag sein, aber in dem Entwurf der USA wird ausdrücklich keine Unterscheidung zwischen Kapitalinvestitionen und zum Beispiel Unternehmensgründungen gemacht. Wir wollen die Folgen eines solchen Abkommen erst einmal in Ruhe analysieren und überlegen, wie für uns genügend Spielraum bleibt, um Investitionen so zu regulieren, dass sie in unseren Ländern zu Entwicklung führen. Die entwickelten Länder glauben immer, wir Entwicklungsländern sind mit jeder Art von Investition zufrieden - doch das stimmt nicht.
Schneiden sich einige der Entwicklungsländer nicht ins eigene Fleisch, weil sie nun ja von EU und USA auch keine Handelserleichterungen im Agrarbereich bekommen?
Man muss ganz klar unterscheiden: Es gibt die G 23, die von den Agrarexporteuren dominiert werden. Und dann gibt es noch die G 20, angeführt von Indonesien und den Philippinen. Diese Länder wollen ihre Landwirtschaft stärker schützen. In Uganda zum Beispiel haben wir gar kein Interesse daran, dass die EU und die USA ihre Agrarzölle senken: Wir haben sowieso keinen Nahrungsmittelüberschuss, den wir exportieren könnten. Unsere Bauern sind meistens Kleinbauern und produzieren für den heimischen Bedarf. Uns geht es nur darum, dass keine billigen subventionierten Produkte aus der EU ins Land kommen, die dann unseren Bauern die Preise kaputt machen.
INTERVIEW: KATHARINA KOUFEN
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