• 14.10.2003

beiseite

Ein erster Nachklapp

Fernsehliteratur

Es sollte wohl eine Art lange Nacht der Literatur werden, diese "Nacht des blauen Sofas" des ZDF von Sonntag auf Montag. Zappte man sich bloß mal rein, sagen wir zwischen 3 und 4 Uhr, war es mehr eine Nacht mit Promis, die ein Buch geschrieben hatten, und irgendwelchen anderen Autoren. Auftritt Friedrich Schorlemmer, der jedes Jahr auf jeder Buchmesse mindestens ein Buch vorlegt, dieses Mal eins über Martin Luther. Auftritt Wolfgang Joop, der mit "Im Wolfspelz" einen Roman geschrieben hat und jetzt den "Trend zum Authentischen" nahen sieht. Auftritt Sönke Wortmann und Christof Siemens. Sönke Wortmann? Ja, "Das Wunder von Bern", der Film, ist nach seinem Drehbuch von dem Zeit-Redakteur Christof Siemens noch einmal sozusagen verromant worden. Die Leude wollen, dass was passiert, die Leude wollen, dass Bass massiert, um es mal wieder mit Fünf Sterne de Luxe zu sagen. Helden wie Schorlemmer, Promis wie Joop, Bücher zum Film, Filme zum Buch, Bestseller-Autoren wie Frederick Forsyth, natürlich Bohlen und Co, aber auch die Wickerts, Wills und Ruges.

Wie dröge dazwischen doch eine Autorin wie Julia Franck rüberkommt (Ex-Fräuleinwunder!) und über ihren neuen Roman "Lagerfeuer" Auskunft gibt! Ja, selbst ein Wolf Wondratschek, einst Arschloch der Achtzigerjahre und nie um pfiffige Seltsamkeiten verlegen, wirkt trotz Cowboystiefeln blass auf dem blauen Sofa. Die Literatur, die schöne Literatur, sie ist jedes Jahr mehr eine Randerscheinung auf der Buchmesse. Klar, bei den vielen Kochbüchern, Lebensberatern und Religionsschwarten, mag man denken, noch mehr aber im Fernsehen. Dieses produziert inzwischen nicht nur seine Popstars selbst, sondern auch seine Autoren, die TV-Literaten, die wiederum sich selbst am besten befragen können: Anne Will die Petra Gerster, Nina Ruge den Hermann Schreiber, Dieter Kürten den Ulli Wickert. Ein perfekt geschlossenes System. Für den Literatur-Rest ist übrigens die auch als Buchautorin sehr erfolgreiche Elke Heidenreich zuständig. Sechmal im Jahr eine halbe Stunde, pro Buch fünf Minuten. Ach Popliteratur, hilf! GBA

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