BERLIN taz
Da merkte die Nation auf. Mitten in den Unistreiks dieser Tage kam eine überraschende Umfrage heraus. 59 Prozent der Studierenden sprächen sich für Studiengebühren aus. Das hatte das "Centrum für Hochschulentwicklung" aufgrund einer repräsentativen Umfrage verbreitet. Nun stellt sich heraus: Die feinen Gütersloher Hochschulberater, ein Gemeinschaftsunternehmen von Hochschulrektoren und Bertelsmann-Stiftung, haben geschwindelt.
Die Umfrage für das CHE besorgte das Meinungsforschungsinstitut Forsa. Die Befragten hatten dreimal die Möglichkeit, sich zu Studiengebühren zu äußern - aber immer nur zustimmend. Ablehnen war unmöglich. Es ging bei den ankreuzbaren Antworten jeweils nur um Varianten einer Uni-Gebühr von 500 Euro pro Semester.
Aus dieser Fragestellung lässt sich keinesfalls eine prinzipielle Zustimmung zum Bezahlstudium ableiten. Der zuständige Mitarbeiter von Forsa bestätigte der taz, dass diese Interpretation falsch wäre. "Die Studenten konnten sich lediglich für eine bestimmte Form von Gebühren entscheiden", sagte er, "nur darum ging es bei der Umfrage." Als Forsa jüngst für den Uni-Spiegel die Unterscheidung Pro und Contra bei den Studenten abfragte, kam ein völlig anderes Ergebnis heraus: 69 Prozent lehnten Gebühren grundsätzlich ab.
Das CHE indes verletzte die wissenschaftliche Seriosität: "Eine deutliche Mehrheit der Studierenden in Deutschland befürwortet die Einführung allgemeiner Studiengebühren", hieß es in der autorisierten Presseerklärung von Sonntag. 59 Prozent der Studierenden seien für Gebühren von 500 Euro, sofern die Mittel der Hochschule nützten.
Die Studenten haben langsam genug von den Betrügereien der Gütersloher Uni-Berater. Bereits 1998 hatte das CHE eine Gebührenumfrage umfrisiert - nach der gleichen Methode. Die Sprecherin des Studentendachverbandes fzs, Nele Hirsch, forderte, nun Konsequenzen zu ziehen. "Wir finden, es ist für die sonst so seriösen deutschen Rektoren an der Zeit, sich aus einem Centrum für Hochschulbetrug zurück zu ziehen". LIA, CIF
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