Vor ein paar Monaten noch waren sie in den Schlagzeilen, die Kontrolleure von BVG und S-Bahn. Sie standen im Verdacht, mit zum Teil rabiaten Methoden auf vermeintliche Schwarzfahrer losgegangen zu sein und Touristen abgezockt zu haben, um eine - zumindest indirekt vorgegebene - Fangquote zu erfüllen. Am Sonnabend stehen sie erneut im Rampenlicht: Eine Bürgerinitiative hat aus Protest gegen höhere Fahrpreise zum öffentlichen Schwarzfahren aufgerufen. Den Kontrollettis ist dann deutlich mehr Fingerspitzengefühl als im Sommer zu wünschen.
Kommentar
von RICHARD ROTHER
Denn der Protest, über dessen Form man sich streiten kann, ist berechtigt. Er ist in erster Linie ziviler Ungehorsam, der sich explizit gegen die Abschaffung des Sozial- und Seniorentickets durch den Senat richtet. Die Streichung dieser günstigen Monatskarte für die Ärmsten einer Stadt, in der fast jeder Fünfte offiziell arbeitslos ist, war schlicht unsozial.
Sie grenzt nämlich einen Großteil der Bevökerung davon aus, am öffentlichen Leben in der Stadt teilzunehmen. Dazu gehört heutzutage ohne Zweifel Mobilität, die Möglichkeit, von A nach B zu gelangen - sei es, um einen Job zu suchen, einzukaufen, Freunde oder Verwandte zu besuchen.
Sicher, die Abschaffung der günstigen Tickets war nicht die Sache der Verkehrsunternehmen. Die Verantwortung dafür trägt der rot-rote Senat, der die Zuschüsse für die Tickets gestrichen hat. Grund: Er befindet sich finanziell in der Klemme und meint, bei den Armen sparen zu müssen.
Dennoch ist es wenig hilfreich, wenn die Verkehrsunternehmen angesichts der Proteste ankündigen, die Kontrollen am Samstag auszuweiten. Wollen sie ihren Kontrollettis einen leichten Fang gönnen?
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