von Petra Schellen
"Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae..." Natürlich kennt Dana Horáková diese Zeilen aus Cäsars "De Bello Gallico". Und sie weiß auch um die Bedeutung des Marmors, eine der edelsten Materialien, die den alten Römern zur Verewigung von Herrscherantlitzen zu Gebote standen; bis in die entferntesten Provinzen wurde seinerzeit das Bildnis des jeweiligen Kaisers transportiert. Und wenn man bedenkt, dass Caius Iulius Caesar, dessen frisch auf der Insel Pantelleria entdeckte Büste sich jetzt nach Hamburg verirrte, nicht nur "erfolgreicher" Feldherr, sondern auch Schriftsteller und Redner war, beginnt man zu ahnen, wie schwer es ist, sich daran zu messen.
Trotzdem - versucht muss es werden, und wenn man nur ein winziges Quentchen Aura abgreifen kann beim Auspacken der jetzt zwecks Präsentation ins Harburger Helms-Museum transportierten Pantellaria-Köpfe Cäsars, seiner Großnichte Antonia Minor sovie des Vespasian-Sohnes Titus Flavius.
Entsprechend Ehrfurcht war dann auch geboten bei der gestrigen Enthüllung der edlen Häupter - ein Event ersten Ranges, kaum vergleichbar mit Hansefest oder Koons-Installation - und das trotz des erheblichen Alters der begehrten Objekte.
Auch mag die Horáková'sche Sentenz "Damit Neues wachsen kann, muss Altes sterben" hier nicht recht greifen, muss vielleicht sogar überarbeitet werden angesichts des Kontakts mit den antiken Kleinodien, die doch so viel besser ins römische Colonia Agrippinensis gepasst hätten.
Andererseits - vielleicht hätte die Kultursenatorin, und sei es nur zu Wahlkampf-Zwecken, auch ganz gern Gallien unterworfen und schnell mal Ägypten angegliedert, und sei es nur ideell, damit auch Hamburg endlich würdige Kulturhauptstadt werde. Aber halt! Für solches ist sich Hamburg ja zu schade. Merkwürdig, dieser diplomatische Fauxpas wäre dem alten Cäsar sicher nicht unterlaufen.
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