Nicht genug damit, dass er einige Menschen über den Haufen geschossen hat - jetzt dichtet er auch noch! Der seit 1994 in einem französischen Gefängnis einsitzende Terrorist Ilich Ramírez Sánchez, genannt Carlos, lässt demnächst von ihm eigenhändig geschmiedete Terrorgedichte veröffentlichen. Wie die französische Tageszeitung Le Figaro am Mittwoch berichtete, schmachtet der Venezolaner gern seine Rechtsanwältin Isabelle Coutant-Peyre in Versform an. Und seine Anwältin, die ihn daraufhin prompt heiratete, hat nun nichts Besseres zu tun, als die Gedichte in ihrer Anfang März erscheinenden Autobiografie zu veröffentlichen. Man weiß gar nicht, wen man von den beiden mehr bedauern soll, wenn man die Schmalzverse liest: "Erschüttert vom tiefen, fließenden, tellurischen Verlangen, deine Berge und deine Täler zu erkunden, sie zu streicheln, zu küssen, anzuknabbern, bis zur pyrotechnischen Explosion, andauernd, ekstatisch …" - und so weiter, fließt dem Terrorpoeten das Herz über die Zunge. Wenn Gedichte töten könnten, Carlos hätte die tödlichste Kitschwaffe der Welt erfunden.
Das Archiv der taz enthält die meisten seit 1986 gedruckten Texte sowie die Artikel der deutschsprachigen Le Monde diplomatique seit 1995.

Wollen Sie taz-Texte im Netz veröffentlichen oder nachdrucken, dann wenden Sie sich bitte an unsere Abteilung Syndikation: lizenzen@taz.de.
Hier finden Sie alle seit Juni 2007 auf taz.de erschienenen Beiträge.
Das kostenpflichtige Archiv der gedruckten tageszeitung mit allen Texten seit 1986 finden Sie in der Volltextsuche der taz.