Die Qualifikation von Gutachtern in Prozessen gegen psychisch kranke Straftäter sollte nach Expertenansicht verbessert werden. In der Ausbildung von Psychiatern müssten forensische Anteile stärker berücksichtigt werden, forderte der Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Neustadt (Kreis Ostholstein), Andreas Kernbichler, gestern in Hamburg. Auch das Erstellen von Gutachten solle trainiert werden. Kernbichler forderte die Einrichtung von so genannten Maßregel-Vollstreckungskammern. Anstelle der Beweisführung durch einzelne Sachverständige solle künftig eine Kommission aus Juristen und Psychiatern diese Aufgabe erledigen.
Man dürfe die Auswahl von Gutachtern nicht dem Zufall überlassen. Guntram Knecht, Leitender Arzt der Forensischen Psychiatrie des Klinikums Nord in Ochsenzoll, betonte: "Jetzt ist es möglich, dass das Gericht einen jungen Arzt als Gutachter beauftragt, der erst zehn Patienten gesehen hat."
Knecht schätzt, dass wegen einer "sehr restriktiven Entlassungspraxis" von bundesweit 6.000 im Maßregelvollzug untergebrachten psychisch kranken Straftätern drei Viertel zu Unrecht dort festgehalten werden. LNO
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