• 12.05.2004

Chávez feiert Razzia

Einheiten Venezuelas verhaften 87 Bewaffnete
aus Kolumbien. Opposition kritisiert das als "Show"

BERLIN taz Der Schlag gegen die angeblichen Verschwörer war gut terminiert: Am frühen Sonntagmorgen drangen hunderte Polizisten und Soldaten in ein Landgut in den Hügeln südlich von Caracas ein und nahmen zunächst 56 uniformierte Kämpfer fest, offenbar rechtsextreme Paramilitärs aus Kolumbien. Stunden später konnte Präsident Hugo Chávez in seiner sonntäglichen Fernsehshow "Aló Presidente" jubeln: "Wir haben den Putschisten, Destabilisierern und Terroristen einen Schlag versetzt." Die Operation, so Chávez, sei die Krönung einer dreimonatigen Untersuchung gewesen. "Es gibt Leute in den USA, die in Venezuela eine Invasion provozieren wollen", sagte er.

Einer der Verhafteten trat vermummt vor die Kameras und sagte, er sei ein kolumbianischer Bauer, den Soldaten aus dem Nachbarland durch eine Zahlung von 185 Dollar dazu gebracht hätten, nach Venezuela zu kommen. Dort hätten er und seine 130 Kameraden Munition stehlen und sich auf einen Überfall auf eine Kaserne vorbereiten sollen. In den kommenden Tagen sei eine Verstärkung durch weitere 1.500 Kämpfer angekündigt gewesen.

Nach der ersten Verhaftungswelle durchkämmten 900 Soldaten und Polizisten die Region auf der Suche nach weiteren Kämpfern, 31 fanden sie bis Montagabend. 63 Kolumbianer wurden vorgestern einem Militärrichter vorgeführt.

Die Hacienda, in der die Männer seit gut sechs Wochen Schießübungen abgehalten haben sollen, gehört Robert Alonso, einem Mitglied der militanten Oppositionsgruppe "Demokratischer Block". Der Exilkubaner, so Chávez, sei einer der Drahtzieher der Straßenproteste, bei denen Ende Februar und Anfang März insgesamt neun Menschen ums Leben gekommen waren. Nun behauptete der Präsident in seiner Sendung, Alonso sei mit dem Oppositionsbündnis "Demokratische Koordination" (CD) eng liiert.

"Wir lehnen jede Gewalt ab", betonte hingegen der CD-Politiker Felipe Mujica. Die Vorwürfe und die "Show" der Massenverhaftung seien ein Manöver, um künftige Repressionen zu rechtfertigen.

Manuel Rodríguez Torres von der politischen Polizei Disip kündigte unterdessen zahlreiche Haftbefehle gegen die beteiligten Venezolaner an: "Einige Unternehmer, Militärs im Ruhestand" seien darunter, "von allem ein bisschen". Man habe "genug Beweise mit sehr klaren Verbindungen" zu jenen, die die jetzt Festgenommenen organisiert hätten. GERHARD DILGER

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