Der Begriff "soziale Bewegung" umfasst sowohl "alte" Bewegungen wie die Arbeiter- oder die Frauenbewegung als auch "neue" Phänomene: Friedens-, Ökologie- oder die Solidaritätsbewegung. Aber auch der Nationalsozialismus kann als Bewegung beschrieben werden.
Soziale Bewegungen vergeben keine Mitgliedschaften, zielen jedoch auf möglichst viele Anhänger und Mitwirkende. Die Mobilisierung von Protest und zunehmend auch die Inszenierung öffentlicher Aufmerksamkeit durch Kampagnen gehören zu ihren unverzichtbaren Handlungsinstrumenten. Als "mobilisierte Netzwerke von Gruppen und Organisationen" sind soziale Bewegungen keine Organisationen, doch können Organisationen in ihnen wichtige Rollen übernehmen - etwa bestimmte Verbände in der globalisierungskritischen Bewegungen.
Seit Mitte der 1990er-Jahre gewinnen die globalisierungskritischen Bewegungen an Bedeutung. Mittels transnationaler Vernetzung und Protestmobilisierung überschreiten sie die Grenzen nationalstaatlicher Organisation. In globalisierungskritischen Bewegungen wird versucht, den Norden mit dem Süden zusammenzubringen und ein Bündnis alter und neuer sozialer Bewegungen zu schaffen (Gewerkschaften, sozialistische Bewegungen, neue soziale Bewegungen, Menschenrechtsgruppen).
Sie verstehen sich in einer großen Mehrheit als Akteure der Zivilgesellschaft und orientieren sich an deren allgemeinen Prinzipien (Anerkennung des Anderen, maßvolle Konfliktaustragung).
Allen sozialen Bewegungen gemeinsam ist, dass sie sich im Verlauf ihrer Entwicklung mit der Frage beschäftigen, ob "Revolution" oder "Reform" die beste Methode der Veränderung ist. Demzufolge werden auch die gemäßigteren Gruppen von staatlicher Seite oft als Bedrohung für die Stabilität seiner politischen Strukturen betrachtet.
ANSGAR KLEIN, HEIKE WALK
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