Es war eine kleine Überraschung, als der S. Fischer Verlag am Dienstagnachmittag bekannt gab, den seit 1996 unter seinem Dach firmierenden Berliner Argon Verlag einzustellen. Weniger, weil hier mal wieder ein größerer Verlag Umstrukturierungen im eigenen Haus vornimmt, ein Sublabel dran glauben lässt und von der unvermeidlichen Konzentration auf die "Kernmarken" spricht: Der zum Holtzbrinck-Konzern gehörende, in Frankfurt ansässige S. Fischer Verlag nennt noch die Verlage Scherz und Krüger sein Eigen. Sondern vielmehr, weil sich der Argon Verlag in den vergangenen Jahren ein doch recht eigenständiges Profil erarbeitet hat. Im Zuge des immensen Erfolgs mit den Generation-Golf-Büchern von Florian Illies setzte Argon bevorzugt und vielleicht eine Idee zu penetrant und volkstümlich auf die Generationsschiene, veröffentlichte Bücher wie Tine Wittlers "Parallelwelt" oder Volker Marquardts "Das Wissen der 35-Jährigen" und schien damit seine Zielgruppe gefunden zu haben: die der 30- bis 49-Jährigen, "Die ewige Zielgruppe", wie ein dieser Tage bei Argon erscheinendes Buch von Martin Schacht heißt.
Der für den Argon Verlag zuständige Programmchef Peter Lohmann sagte gegenüber der taz, dass es vor allem die Veränderungen der Buchhandelsstruktur gewesen seien, die zu der Entscheidung geführt hätten, den Verlag einzustellen: Das Geschäft würde inzwischen fast ausschließlich vom Großbuchhandel bestimmt, und dieser durchforste rigide die Programme nach wenigen großen Titeln. Als Nicht-Frankfurter Verlag, der dazu noch Programmüberschneidungen mit den Verlagen Scherz und Krüger aufwies, hätte es Argon trotz des gewachsenen Profils schwer gehabt, überhaupt die Spitzentitel in den Handel zu bekommen. Ein Illies oder ein Überraschungserfolg wie Daniel Bielensteins Männerzeitschriftenroman "Die Frau fürs Leben", der sich fast 40.000-mal verkaufte, halfen da nichts: Schwarze Zahlen schrieb Argon vor diesem Hintergrund des veränderten Buchmarkts eben nicht. Nun werden die Argon-Autoren von S. Fischer übernommen, die drei Argon-Verlagsmitarbeiter aber nicht: Ihnen ist zwar nicht gekündigt worden, ihre Zukunft aber ungewiss.
Das wiederum dürfte für die ganze Verlagswelt gelten. Oder, um es mit einer Mitarbeiterin des Rowohlt Verlages zu sagen, der ja vor kurzem erst sein in Berlin ansässiges Imprint, den Kindler Verlag, zurück nach Hamburg geholt und einer Schwerpunktverschiebung hin zur Belletristik unterzogen hat: "Der Wind ist weiterhin rau da draußen." GERRIT BARTELS
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