BOCHUM taz
Sait Hasso, ehemaliger Deutschland-Chef der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, ist in Bochum von unbekannten Tätern angegriffen worden. Wie die Bochumer Polizei gestern bekannt gab, sei Hasso am 7. Juli in einem Asylbewerberwohnheim von vier Männern aufgesucht und schwer verletzt worden. "Drei Männer haben Herrn Hasso nach seiner Aussage mit Golfschlägern verprügelt, ein Mann soll dabei zugesehen haben", sagte ein Sprecher der Bochumer Polizei auf taz-Anfrage. Der 39-jährige Hasso wurde nach dem Übergriff zunächst in ein Krankenhaus eingeliefert, konnte es nach ambulanter Behandlung aber wieder verlassen.
"Hasso wollte zur Identität der Täter keine Aussagen machen", so der Polizeisprecher. Der Staatsschutz habe Ermittlungen aufgenommen. Nach einem Bericht der kurdischen Internetseite amude.com sprach Hasso selbst von einem "gezielten Mordversuch". Die vier anonymen Schläger sollen nach amude-Informationen im Auftrag der PKK gehandelt haben.
Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hatte Hasso im Juni 2001 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Während des Prozesses hatte sich Hasso geweigert, als Kronzeuge gegen seine Partei auszusagen. Im Februar 2002 kam er frei und distanzierte sich von der PKK. Seit einigen Monaten lebt Hasso in dem Bochumer Asylbewerberheim. Hasso gilt heute als Kritiker der neuen, moderateren Linie der Partei.
Der polizeiliche Staatsschutz wollte sich auf Anfrage nicht zu den Ermittlungen äußern. Gestern wurde Hasso noch einmal von Staatsschutz-Beamten im Bochumer Polizeipräsidium vernommen. Erst heute wollen die Ordnungshüter weitere Angaben zum Sachstand der Ermittlungen machen.
Sait Hasso war angeblich auch Mitglied der so genannten "Europäischen Frontzentrale", die die Aktivitäten der PKK auch in Deutschland gesteuert haben soll. Zur Aufgabe der "Frontzentrale" gehörte, Ausweispapiere zu fälschen und Kuriere sowie PKK-Kader nach Westeuropa zu schleusen. Hasso war nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft der erste "Deutschland-Koordinator" der Organisation. Ende der 1990er Jahren soll er zudem die Leitung der wichtigsten PKK-Region Mitte (mit den Stadtgebieten Köln, Bonn, Essen, Duisburg, Düsseldorf und Dortmund) übernommen haben. Die PKK ist seit 1993 in der Bundesrepublik Deutschland verboten und gilt seit 1996 als kriminelle Vereinigung. MARTIN TEIGELER
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