Etwa 200 Asylbewerber haben mit einem Sit-in und der Besetzung eines Sozialamtes dagegen protestiert, dass sie nur Sachleistungen statt Geld erhalten. Die Bewohner des Asylbewerberwohnheims in Kunersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland wanden sich mit diesen Aktionen gegen das Chipkarten-System, das sie zwingt, nur das einzukaufen, was ihnen vorgegeben wird - und nur in den Läden, die solche Chipkarten akzeptieren.
Nach Auskunft der Asylbewerberin Cau Eben aus Kamerun nahm der Konflikt im vergangenen Monat seinen Ausgang. Die Asylbewerber hatten Bargeld erhalten, da die Auflademaschine für die Chipkarten defekt gewesen sein soll. So sei ihnen klar geworden, dass die Auszahlung von Bargeld möglich sei, erklärt Cau Eben. Deshalb habe man die erneute Umstellung auf Chipkarten-Bezahlung in diesem Monat nicht mehr akzeptieren wollen, erklärt die 36-Jährige. Die Chipkarten begrenzten die Einkaufsfreiheit, so die Kamerunerin.
Um für das Auszahlen von Geld zu demonstrieren, hätten deshalb etwa 200 Flüchtlinge am Mittwoch vor dem Landratsamt in Wriezen demonstriert, sagte Cau Eben. Dieses Sit-in habe von 13 bis 20 Uhr gedauert. Am gestrigen Donnerstag habe man dann für einige Stunden das Sozialamt von Seelow besetzt, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. Nach und nach habe man die Aktion beendet, da sich Frauen und Kinder an der Aktion beteiligt hätten, die zum einen müde geworden, zum anderen hungrig gewesen seien, weil sie kein Geld zum Einkauf erhalten hatten. Weil die Asylbewerber Geld statt Sachleistungen wollten, weigerten sie sich, ihre Chipkarte wieder aufladen zu lassen.
Mit einem "Kaufladen"-Besitzer in Seelow kamen die Demonstranten schließlich überein, zwar weiter mit der Chipkarte zu bezahlen, wie Cau Eben mitteilte. Der "Kaufladen"-Besitzer war jedoch bereit, auch Lebensmittel auszugeben, die mit Chipkarten eigentlich nicht bezahlt werden können. GES
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