BERLIN taz
Unbeeindruckt von dem militärischen und politischen Desaster des Besatzungsregimes im Irak halten die US-amerikanischen neokonservativen Strategen an ihrer kriegerischen Agenda für den Nahen und Mittleren Osten fest. Nächstes Ziel: Iran. Das berichtet der Star des US-Investigativjournalismus, Seymour Hersh, in der neuen Ausgabe des New Yorker (www.newyorker.com).
Spätestens seit Sommer 2004, berichtet Hersh, befinden sich geheime Aufklärungstrupps der USA im Iran, um Zielmarkierungen für mögliche Angriffe auf "drei Dutzend oder mehr" militärische Anlagen des Iran vorzunehmen - darunter nukleare und chemische Fabriken sowie Raketenstandorte. "Die Zivilisten im Pentagon wollen in den Iran gehen und so viel wie möglich von der militärischen Infrastruktur zerstören", zitiert Hersh einen Regierungsberater mit engen Verbindungen zum Pentagon. Wie weit Iran tatsächlich noch vom Bau einer Atombombe entfernt ist, wird von den Geheimdiensten unterschiedlich eingeschätzt: Die meisten meinen, dass der Iran noch drei bis sechs Jahre dazu brauchte, abhängig davon, ob die Mullahs ausländische Hilfe bekommen oder nicht. Iran selbst hat stets betont, Urananreicherungsanlagen nur zur zivilen Nutzung zu betreiben. Beweise für ein iranisches Atomprogramm haben bis heute auch die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde nicht vorlegen können.
Ein Sprecher von Präsident George W. Bush widersprach den Berichten Hershs über Vorbereitungen zum Krieg gegen den Iran nur halbherzig: Der Bericht sei "gespickt mit Ungenauigkeiten", sagte Dan Bartlett in CNNs "Late Edition" am Sonntagabend. Die US-Regierung werde "weiterhin an diplomatischen Initiativen arbeiten". Aber, so Bartlett weiter: "Kein Präsident hat je militärische Optionen völlig ausgeschlossen." BERND PICKERT
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