VON WOLFGANG LÖHR
Der Streit um die grüne Gentechnik spitzt sich zu. Während Opposition und die Gentech-Lobby der Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) vorwerfen, sie behindere aus "ideologischen Gründen" die Gentech-Forschung in den ihr unterstellten Bundesforschungsanstalten, wird zunehmend Kritik laut, dass mehrere Spitzenbeamte in den für Gentechnik zuständigen Genehmigungsbehörden zu eng mit der Biotech-Industrie zusammenarbeiten.
Ausgangspunkt ist eine Untersuchung der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth. Sie hatte untersucht, ob der Ausschuss zur wissenschaftlichen Bewertung von Gentech-Pflanzen - angesiedelt bei der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFS) - tatsächlich so unabhängig ist, wie er selbst von sich behauptet. Dessen Sicherheitsbewertungen von Gentech-Pflanzen sind mit entscheidend für deren Zulassung in den EU-Staaten.
21 Mitglieder hat das Gremium, 8 davon nach Recherchen von Friends of the Earth mit Doppelfunktion: Sie arbeiten eng mit Monsanto, Bayer CropScience und Syngenta zusammen, Biotech-Firmen, über deren Anträge der Ausschuss zu befinden hat. Deutschland ist mit drei Vertretern im Ausschuss präsent: Hans-Jörg Buhk, Leiter der Gentech-Genehmigungsbehörde beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Detlef Bartsch (ebenfalls BVL), sowie Joachim Schiemann, der bei der Biologischen Bundesanstalt (BBA) die Sicherheit von Gentech-Pflanzen überprüft. Alle drei sind entschiedene Befürworter der grünen Gentechnik.
Detlef Bartsch war vor seiner Anstellung beim Bundesamt für Verbraucherschutz schon am ersten Freisetzungsexperiment in Deutschland beteiligt. Auch die beiden Spitzenbeamten Schiemann und Buhk besitzen enge Kontakte zur Industrie. Beide traten in einem Video derGentechindustrie auf, das für Genmais wirbt. Ausschnitte aus "Das streitbare Korn" waren letzte Woche im ARD-Magazin "Report Mainz" zu sehen. Buhk preist darin die ökonomischen Vorteile von Genmais. Friends of the Earth werfen Buhk zudem vor, eine internationale Gentech-Konferenz mit vorbereitet zu haben, die von Industrie-Riesen wie Bayer, BASF und DuPont finanziert wurde
"In privatwirtschaftlichen Werbevideos hat überhaupt kein Beamter mitzuwirken", sagt Verbraucherministerin Künast, "das ist abzustellen." Ihr Haus werde aufgrund der Berichte überprüfen, ob Konsequenzen gezogen werden müssten. Schiemann und anderen dem Verbraucherministerium unterstellten Forschern sei von Künast außerdem untersagt worden, bereits vom Forschungsministerium bewilligte Projekte zur gentechnischen Sicherheitsforschung durchzuführen, berichtetet das Fachmagazin Laborjournal.
Anlass genug für die Gentech-Befürworter, nun ihrerseits Künast unter Beschuss zu nehmen: Die Union sprach von einem Skandal. Empört äußerte sich auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, und bemühte das Mantra von der Abwanderung junger Wissenschaftler ins Ausland.
Beim Verbraucherministerium heißt es dazu, dass die Forschungsprojekte von Schiemann und Co. dazu dienen sollten, neue Produkte zu entwickeln. Das gehöre aber definitiv nicht zu ihren Aufgeben.
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