Die britische Nachrichtenmaschine muss den Gürtel enger schnallen - und hält Deutschland daher für verzichtbar
Wie nennt man einen großen internationalen Nachrichtenlieferanten, der kurz vor der WM 2006 in Deutschland und angesichts des spätestens im Sommer anlaufenden Bundestagswahlkampfs zum Beinahe-Rückzug aus Deutschland bläst? - Genau: BBC.
Wenn im Sommer der Vertrag der Fernsehkorrespondentin Tristana Moore ausläuft, wird ihre Stelle im Berliner Büro des britischen Senders nicht wieder besetzt. Und laut Guardian ist auch der BBC-Wirtschaftskorrespondent Jonathan Charles (bisheriger Sitz: Frankfurt) schon wieder zu Hause. Über 400 Jobs streicht die legendäre Nachrichtenmaschine in ihren Redaktionen weltweit, in dem Medienunternehmen insgesamt werden 2.000 Mitarbeitende dem Sparkurs von Generaldirektor Mark Thompson zum Opfer fallen.
Doch nirgendwo dürften die Folgen so dramatisch sein wie in Berlin. Warum ausgerechnet hier reduziert wird, während die Büros in den anderen großen europäischen Hauptstädten ungeschoren davonkommen, will bei der BBC niemand sagen: "Wir äußern uns nicht zu individuellen Maßnahmen", heißt es aus London lapidar dazu, dass Deutschland für die BBC ganz wörtlich zur One-Man-Show wird. Deren einziger Darsteller heißt Ray Furlong und war als Radiokorrespondent bislang für den weltweit zu empfangenden BBC-World-Service zuständig.
Er muss künftig die Radio- und TV-Nachrichten der britischen BBC-Programme bestücken, daneben den weltweit sendenden TV-Nachrichtenkanal BBC World sowie die Onlinedienste der BBC beliefern - und natürlich seinen eigentlichen Job für den World-Service weitermachen.
Korrespondentenliste der ARD für London gefällig? Bitte sehr: Sabine Reifenberg, Uwe Schwering (Fernsehen), Karl Teofilic, Sabina Matthay, Jan Tussing, Holger Senzel, Bertram Quadt (Radio). Dazu noch Martin Zagatta (Deutschlandradio). Und das ist lediglich die ARD. Das ZDF hat drei weitere Berichterstatter in London .
Nur gut, dass die Berliner Lokalpolitik schon im Osterurlaub ist: Schließlich wird hier jede Verspätung des einzigen Nonstop-Transatlantikflugs, der in der deutschen Hauptstadt landet, schon als Bedeutungsverlust für Berlin gewertet.
Und jetzt also die BBC. Keine Zeit mehr für Hintergrundberichte und Recherchen. Oder Abstecher in die Nachbarländer, die kein eigenes BBC-Büro haben. Klingt so gar nicht nach BBC-Standard. Das sind wir eher von US-Networks gewohnt. So aber hat CNN demnächst doppelt so viele TV-Korrespondenten in Deutschland wie die BBC - nämlich immerhin zwei.
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