Seine große Zeit, als seine Bücher auf den Bestsellerliste standen, und nicht nur, weil die gewerkschaftseigene Büchergilde Gutenberg ihn im Repertoire führte, die war für die bürgerliche Öffentlichkeit in den Siebzigern. Max von der Grün war ein arrivierter Autor, seine Geschichten wurden verfilmt, Rainer Werner Fassbinder ließ sich von ihnen für seine Serie "Acht Stunden sind kein Tag" inspirieren.
Von der Grün mag diese Popularität geschätzt haben, das Geld, die Anerkennung, möglicherweise wusste er die Häme gegen ihn ("Arbeiterschriftsteller") auch als Neid und Dünkel einzuordnen. Seine schönste Zeit war vielleicht jene, als er noch lebte wie die Figuren, die er differenziert wie kein anderer in der Bundesrepublik zu beschreiben wusste: als Mann der Arbeiterklasse mit Klassenbewusstsein. 1926 in Bayreuth geboren, Sohn einer Schuhmacherfamilie, Volks-, Mittel- und Handelsschule, schließlich in Kriegsgefangenschaft, danach eine Maurerlehre: Max von der Grün wusste, wovon er unverblümt schrieb.
Er wurde preisgekrönt, in Deutschland wie in Polen, genoss das Ansehen der DDR-Nomenklatura, bis er die Nähe zur DKP von sich wies; und er begriff nicht, dass der traditionelle Prolet aussterben sollte - so wie seine Storys ( "Stellenweise Glatteis", "Irrlicht und Feuer", "Vorstadtkrokodile") aus der Mode kamen, besser: als der Blick der neugierigen, arbeiterklassenfernen Achtundsechziger auf die Proleten an Wachheit verlor.
Von der Grün war einer der erzählkräftigsten Autoren der deutschen Nachkriegszeit; er starb gestern 78-jährig in seiner Wahlheimat Dortmund. JAF
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