ja, wir lieben unsere Drei-Liter-Autos; ja, wir dachten lange Zeit, ein Porsche diene männlichen Fahrern vor allem als Symbol für ihre Männlichkeit; und ja, wir haben sie verflucht, all die Porsches, die uns links und rechts überholt haben. ABER: Auch wir kaufen bei Manufactum. Auch wir gehen gerne zum Mittagstisch ins Borchardts. Auch wir haben eine Ader zum Hedonismus, die wir wohl dosiert ausleben. Kurzum: Auch wir würden gerne mit einem Porsche 911 zur Arbeit fahren! Deshalb wünschen wir uns von Ihnen einen Dienstwagen - auch wenn es nur für eine Woche ist (in Dunkelblau, wenn es keine Umstände macht).
Können Sie uns diesen Wunsch erfüllen?
Liebe taz,
wir kennen und schätzen die "tageszeitung" als Streiterin für eine umweltgerechte Politik sowie als schlaue und gewitzte Kritikerin der Marktwirtschaft. Und nun das: Da wünscht sich die taz zum 26. Geburtstag doch tatsächlich für eine Woche von uns einen Porsche 911 Carrera als Dienstwagen. Kann man sich in diesem Land denn auf nichts mehr verlassen?
Doch, zum Beispiel auf die unbestrittene Kreativität des "David" in der Zeitungsbranche. Schon allein aus diesem Grund können Sie sich meiner Sympathien versichert sein. Kurzum: Es freut und schmeichelt uns, dass Sie sich selbst einmal ein Bild vom 911 machen wollen. Nur am Rande erwähnt, auch die Ökobilanz ist bei diesem Fahrzeug ganz ordentlich. Und was den Feinstaub angeht, den können Sie bei uns eh vergessen.
Neben allen rationalen Argumenten, die für einen Porsche sprechen, werden Sie aber auch merken, dass "der mystische Charakter der Ware nicht aus dem Gebrauchswert entspringt", wie Karl Marx festgestellt und im "Kapital" geschrieben hat. Eine treffendere Analyse, dass man mit Porsche-Fahrzeugen auch Geld verdienen kann, hat es seither nicht mehr gegeben. Mit anderen Worten: Porsche fahren ist eigentlich eher etwas Emotionales. Deshalb bitte nicht vergessen, das Auto ist etwas schneller als andere …
Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit dem 911 - und der "tageszeitung" alles Gute zum 26. Geburtstag. Bleiben Sie uns in kritischer Distanz gewogen.
Mit freundlichen Grüßen aus Zuffenhausen
Dr. Wendelin Wiedeking
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