Der Chor der Roten Armee schalte aus Lautsprechern über den Platz vor der Provinzialloge an der Moorweidenstraße. Über 200 Demonstranten protestierten am Freitagabend gegen den "Festkommers: 750 Jahre Königsberg" des "Hamburger Waffenrings" (HW). "Frechheit", schimpfte ein Burschenschaftler, "dass man in diesem Land nicht mal mehr ordentlich auftreten kann": Mit Mütze und Schärpe also oder gar in vollem "Wichs" samt Stoßdegen.
Der Festredner, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), beteuerte, er wolle "nur zum Thema 750 Jahre Königsberg" sprechen. Zu dem Vorwurf, eine rechte Veranstaltung aufzuwerten, wollte er vor Ort nichts sagen, nachdem die taz über die engen Verbindungen einzelner Burschenschaften des HW, wie der "Burschenschaft Germania Hamburg", zur rechtsextremen Szene berichtet hatte. Doch was er wirklich erzählte, erfuhren nur die rund 400 Gäste: Alle Medien hatten "Hausverbot".
"Schönbohms Auftritt bei einer Veranstaltung mit revanchistischen Tendenzen belastet die Zusammenarbeit mit der CDU beim Auschwitzgedenktag", betont Holger Koslowski, GAL-Fraktionschef im Bezirk Nord, wo die Germania ihr Burschenschaftshaus hat. "Widerspruch im Alltag gegen Rechts" sei nötig, sagt er.
Den massiven Polizeieinsatz kritisierte die SPD-Abgeordnete Luisa Fiedler: "Den Gästen sollte wohl der breite Widerspruch erspart werden." Die Gegenkundgebung des Uni-AStA durfte kurzfristig nicht vor dem Logenhaus stattfinden, sondern nur auf dem Campus. Andreas Speit
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