Max und Moritz sind in der Generation Alcopops angekommen: Sie saufen, rauchen und machen Spritztouren mit geklauten Autos. Ihrer Rock-'n'-Roll-Mutter ist das wurscht, aber das Jugendamt schickt die beiden in ein Bootcamp im thüringischen Niemandsland. Dort sollen sie von zwei schwulen Ex-Volksarmisten mal ordentlich Disziplin lernen, doch auch die sind schnell von den beiden überfordert.
Wilhelm Buschs Kinderbuchklassiker in einer Trashversion in die Kinos zu bringen und noch gleich die Mühen der Wiedervereinigung mitzuverhandeln, ist zumindest mutig. Das grundsätzliche Problem von "Max und Moritz Reloaded" ist aber, dass guter Trash entweder unabsichtlich entsteht (siehe Ed Wood) oder Ausdruck völlig eigener Fantasien und Botschaften ist, wie bei Wenzel Storch oder Christoph Schlingensief. Eins aber sollte er nie sein: selbstzweckhaft oder selbstreferenziell.
"Max und Moritz Reloaded" hingegen ist Trash, der sich auf Trash bezieht und nichts anderes als Trash sein will. Ihren Anspruch auf das abgegriffene Prädikat Kult machen die Filmemacher dadurch klar, dass sie im Vorspann den Film Russ Meyer widmen und munter Italowestern oder die "Rocky Horror Picture Show" zitieren. Aber "Kult" kann etwas eben nur mit der Zeit werden, wer vorher darauf hinarbeitet, hat schon verloren.
Schade eigentlich. Ein Gegengift zu den weich gespülten deutsch-deutschen Erfolgskomödien wie "Sonnenallee" und "Goodbye, Lenin" wäre ja willkommen. Was aus "Max und Moritz Reloaded" hätte werden können, zeigt nur Ben Becker in Ansätzen. Becker spielt einen Hamburger Luden mit rotem Ferrari und Tropfenbrille, der seine Dependance in Thüringen besucht. Eigentlich ein Klischeecharakter, der aber durch eine krude Sprachwahl zwischen förmlich und unflätig besticht ("Mein Fahrzeug kriegt ihr nicht, ihr Fotzen!"). Die DDR-Rockikone Toni Krahl (City) und Prinzen-Sänger Sebastian Krummbiegel in den Rollen der EX-NVA-Offiziere dagegen mögen zwar glaubwürdig die ostalgische Seite des Films verkörpern, komisches Talent fehlt ihnen jedoch. Vielleicht nervt aber auch nur, dass mal wieder in einer deutschen Komödie der Humor daraus gewrungen wird, tuntige Typen in besonders maskulinen Rollen zu zeigen. SVEN VON REDEN
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