Morgen allerseits. Ausgeschlafen? Schmeckt der Kaffee? Oder lesen Sie die taz gemütlich im nachtwarmen Bett? Wie bitte? Sie stehen triefäugig in der S-Bahn und hetzen zur Arbeit? Stehen Sie doch einfach früher auf!
Andererseits: Statistisch betrachtet machen Sie alles richtig. Soll heißen, Sie verhalten sich wie ein waschechter Durchschnittsberliner. Der ist nämlich, sagt eine frische Forsa-Umfrage, notorischer Langschläfer. Wenn der Wecker um 6.53 Uhr klingelt, hat der Durchschnittsberliner ganze fünf Minuten länger an der Matratze gehorcht als der Bundesdurchschnitt (6.58 Uhr). In Sachsen-Anhalt (6.39 Uhr) steht man da längst unter der Dusche - oder auf dem Balkon, um die schöne sachsen-anhaltinische Landschaft im Morgenlicht zu bewundern. Die übrigen Länder drängen sich zwischen beiden Extremen, und nur die Hamburger sind größere Morgenmuffel als wir (7.13 Uhr).
Betreiben wir ein wenig Ursachenforschung: Erstens hat der Durchschnittsberliner höchstens 0,8 Jobs. Und wer nicht malocht, kann den Tag ausgeschlafen beginnen, das Jobcenter öffnet ja erst um acht. Andere studieren, arbeiten in einer Freizeitbranche (Kneipe, Club, Hotelbar) oder bei der Presse, da verschiebt sich die Nachtruhe eben nach hinten. Der Rest braucht sich in unserer Stadt der kurzen Wege auch nicht beeilen - im Gegensatz zum Sachsen-Anhalter, der zum Arbeiten nach Westdeutschland oder Leipzig pendeln muss.
Die hiesigen Verkehrsbetriebe haben das längst erkannt: Im Gegensatz zum arbeitswütigen Rhein-Main-Gebiet, wo Spätaufsteher ein "9-Uhr-Ticket" erwerben können, gibt's bei BVG und S-Bahn das "10-Uhr-Ticket" - "für Ausgeschlafene". CLP FOTO: AP
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