PORTO ALEGRE taz
Anschauungsunterricht in Sachen Demokratie gibt es derzeit in Bolivien zuhauf. Am Donnerstag verhinderte die Bevölkerung in Sucre den Amtsantritt des konservativen Politikers Hormando Vaca Díez. Am Freitag wurden in La Paz Hunderte von Bergarbeitern gefeiert, die unter dem Freudenfeuer ihrer Dynamitstangen den Heimweg antraten. Vorgestern machte die Basis im nahe gelegenen El Alto ihren Anführern klar, dass ihr 19-tägiger Ausstand vorbei ist: Am frühen Morgen hieß es wieder "freie Fahrt" für die Tanklastwagen, die Benzin und Diesel nach La Paz brachten.
"Ein würdiger Rückzug ist jetzt das Beste", sagte ein Aktivist aus dem Stadtteil Romero Pampa. Auf der dortigen Vollversammlung wurde "Gefühlsradikalismus" gegeißelt, der manche Aktion der letzten Tage bestimmt habe. "Manche fordern die Schließung des Parlaments. Wollen wir eine Diktatur?", rief ein Teilnehmer. "Wir müssen uns auf die Wahlen vorbereiten, dann können wir wieder für die Nationalisierung kämpfen." Wenig später verkündeten die Sprecher der Stadtteilkomitees einen "sozialen Waffenstillstand".
Wie populär die Forderung nach Verstaatlichung der Erdgas- und Erdölquellen ist, bestätigte eine Umfrage der konservativen Tageszeitung El Deber: Danach sind drei Viertel dafür. Zwei Drittel lehnen jedoch Straßenblockaden als Aktionsform ab. dil
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