PORTO ALEGRE taz
Sogar Fidel Castro kam zum jüngsten Vorstoß, mit dem sein größter Fan Hugo Chávez für Ärger in Washington sorgte: Venezuelas Präsident und 13 seiner karibischen Kollegen haben einen regionalen Vertrag über eine Energiezusammenarbeit unterzeichnet. Darin sichert Gastgeber Chávez seinen Kollegen aus Kuba, der Dominikanischen Republik, Surinam und der anglophonen Karibik billigere Öllieferungen zu.
Venezuela wolle seine Erdölreserven mit Südamerika und der Karibik teilen, sagte Chávez. Im Rahmen der Petrocaribe-Initiative wird Venezuela seinen Nachbarn bei steigenden Weltmarktpreisen ab 40 Dollar pro Barrel schrittweise günstigere Zahlungskonditionen einräumen. "Sollte aus irgendeinem Grund die 100-Dollar-Grenze überschritten werden", so Chávez, "würden wir für die Hälfte der Erdölrechnung eine Finanzierung anbieten." Die Lieferungen sollten ohne multinationale Ölkonzerne organisiert werden. Für einen regionalen Sozial- und Wirtschaftsfonds stellte Venezuela 50 Millionen Dollar bereit.
Für die Karibik-Staaten sei Petrocaribe ein "willkommener Rettungsanker", sagte Jamaikas Premier P. J. Patterson. Castro lobte die Initiative als wichtigen Schritt hin zu größerer regionaler Solidarität. Andere fühlten sich überrumpelt. Der Premierminister von Trinidad und Tobago, Patrick Manning, monierte, die Erdöl- und Erdgasvorkommen seines Landes seien "vergessen" worden. Er müsse den Vorschlag deshalb noch prüfen.
Chávez verlas einen Brief, in dem Washington die englischsprachigen Karibik-Staaten davor warnt, dass Venezuela seinen Erdölreichtum dafür einsetzen wolle, Länder wie Ecuador oder Bolivien zu destabilisieren. "Die USA sind ernsthaft wegen der jüngsten Bedrohungen der Demokratie in Venezuela besorgt", heißt es in dem Schreiben wörtlich.
Warum die US-Regierung Grund zur Sorge hat, erläuterten zwei Forscher vom Think Tank Inter-American Dialogue in Washington: Durch die Initiative werde Chávez seine Position innerhalb der Organisation Amerikanischer Staaten festigen, sagte Michael Shifter. "Kuba und Venezuela haben eine alternative Front in der öffentlichen Meinung Lateinamerikas eröffnet", ergänzte Marifeli Pérez-Stable. "Wahrscheinlich" seien die meisten Latinas der Meinung, dass sich ihre Lage durch Neoliberalismus und trotz repräsentativer Demokratie nicht verbessert habe. GERHARD DILGER
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