Die Diskussion um Drogen und Alltagsrassismus begann mit der Veröffentlichung einer Dienstanweisung im Café "An einem Sonntag im August". Schon im April dieses Jahres hängte die Betreiberin des Cafés, Claudia Humeniuk, eine interne Mitteilung aus, die vor kurzem veröffentlicht wurde. Die Mitarbeiter sollten allen Drogendealern strikt Hausverbot erteilen. Als Hilfestellung wurden verdächtige Besucher beschrieben: "schwarze Jugendliche, höchstens 25 Jahre alt, (…), gehen sehr oft rein und raus (…), wollen immer hinten sitzen (…)". Ausgenommen aus dem Verdächtigenkreis wurden: "schwarze Studenten mit klugen Augen, schwarze Touristen, ältere schwarze Menschen, Schwarze mit Freundin etc."
Das neu gegründete Aktionsbündnis "Nie wieder Sonntag" veröffentlichte die Anweisung und startete eine Kampagne gegen die Betreiberinnen. Die Folge war ein Austausch von öffentlichen Briefen. Ein persönliches Gespräch, das sich Humeniuk wünscht, lehnt das Bündnis ab. "Die Inhaberinnen sind Rassistinnen und sollen keinen Raum in unserem Kiez haben", erklärt der Sprecher des Bündnisses, Roman Schneider.
Nach der Veröffentlichung der Rassismusvorwürfe sieht auch die Betreiberin Claudia Humeniuk ihren Fehler ein: "Ich habe mich sehr dumm ausgedrückt", schreibt sie in einem offenen Brief. Und: "Ich würde so eine interne Dienstanweisung nicht mehr schreiben." Sie wollte damals konsequent gegen die "Dealergang" vorgehen, weil sie vom Ordnungsamt auf einen möglichen Verlust der Konzession hingewiesen wurde.
Almuth Nehring-Venus, die Bezirksstadträtin für Kultur, Wirtschaft und öffentliche Ordnung in Pankow, sieht die Rolle des Ordnungsamts in diesem Fall ganz anders: "Den Aushang damit zu rechtfertigen, die Ämter hätten Druck gemacht, ist eine Verkehrung der Situation." Im Ordnungsamt habe es keinen Vorgang gegeben, da die Polizei noch keinen Straftatbestand festgestellt hat. Das Amt konnte also gar nicht mit einer Schließung drohen. "Wenn keine Straftat festgestellt wird, dann arbeitet das Amt auch nicht."
Stadträtin Nehring-Venus erklärt ihre Sicht der Dinge so: Die Betreiberinnen hätten von sich aus im Ordnungsamt angerufen, um sich zu erkundigen, was sie gegen Dealer in ihrem Café unternehmen könnten. "Die Mitarbeiterin am Telefon hat ihnen geraten, eng mit der Polizei und vor allem mit dem Präventionsbeauftragten zusammenzuarbeiten." FRAUKE ADESIYAN
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