Zwei Drittel der jungen Männer meinen, dass die berufliche Position erst gesichert sein muss, damit man Kinder in die Welt setzen kann. Auch die heutige Familienförderung gehe zu stark vom Modell der "Versorgerehe" aus, bei der ein männlicher Haushaltsvorstand das Auskommen sichert, beklagen die Familienforscher.
Um dieses Rollenmuster aufzubrechen, sind mehrere Schritte nötig. Erstens schlagen die Forscher als "Zukunftsinvestition" für eine kinderfreundlichere Gesellschaft ein "Elterngeld" in den Babyjahren vor, das höher wäre als das bisherige Erziehungsgeld und sich prozentual am vorher erzielten Nettolohn orientiert. Männer würden damit von der Haupternährerrolle entlastet, auch dann, wenn es die Frau ist, die eine Familienpause einlegt. Die Frage ist allerdings, wer die schöne neue Leistung, die besonders Eltern aus der Mittelschicht besser stellen würde, finanziert.
Damit die Männer, wenn sie sich um die Kinder kümmern, nicht nur als Hilfsarbeiter der Frauen dastehen, seien zudem Wandlungen im Rollenverständnis notwendig, meinen die Forscher. Die "Attraktivität der Vaterrolle" müsse gesteigert werden. Dazu müsste es schon im Kindesalter "Kompetenzerweiterungen für Mädchen und Jungen" geben. "Jungen sollen mehr weibliche Care-Fähigkeiten, Mädchen mehr männliche Berufsorientierung entwickeln." Dabei ginge es wohlgemerkt nicht um eine "Angleichung" der Geschlechterrollen, sondern um eine Erweiterung traditioneller Identitätsmodelle.
Die Zeitbudgetstudien haben ergeben, dass Männer nach der Geburt eines Kindes eher mehr arbeiten als weniger, auch weil sie das brauchen. Fast die Hälfte der Väter mit kleinen Kindern gaben sogar an, 45 Stunden oder mehr pro Woche zu ackern. Aber auch wenn die Mütter Vollzeit arbeiten, halten sich traditionelle Rollenverteilungen: Bei Vollzeit arbeitenden Elternpaaren etwa ist die Mutter pro Tag fast eine Stunde mit Kochen, Tischdecken und -abräumen beschäftigt, der Vater hingegen nur eine halbe Stunde. In Akademikerhaushalten allerdings beteiligen sich die Männer mehr an der Hausarbeit.
BARBARA DRIBBUSCH
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