Berlin bekommt nach einem monatelangen Streit eine Rudi-Dutschke-Straße. Die Umbenennung eines Teils der Kochstraße wurde am Montagabend in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg beschlossen - in geheimer Abstimmung mit 26 Jastimmen und 21 Neinstimmen. Die Linkspartei hatte Ende 2004 mit Unterstützung der Grünen eine Initiative der taz aufgegriffen und die Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße beantragt. CDU und SPD stimmten dagegen.
Der Initiative für eine Rudi-Dutschke-Straße stammt von der taz. Das taz-Verlagsgebäude liegt an der Kochstraße und ist nach Dutschke benannt. Wenige 100 Meter entfernt residiert in einem Hochhaus der Axel-Springer-Verlag. Anlass für die taz-Initiative war der 25. Todestag des Studentenführers. Dutschke war an Weihnachten 1979 an den Spätfolgen eines Attentats vom 11. April 1968 gestorben. Die taz regte die Straßenumbenennung an, um einen Mann zu würdigen, der "die jüngere Vergangenheit Berlins wie der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich geprägt hat, der als Studentenführer eine gesellschaftliche Bewegung mit ausgelöst und getragen hat und der zum Symbol von Gegenöffentlichkeit und Meinungsfreiheit geworden ist", wie taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch in einem Schreiben an die BVV erklärte.
Die taz-Forderung hatte eine breite Diskussion in der Berliner Öffentlichkeit ausgelöst. Grünen-Spitzenpolitiker wie Jürgen Trittin und Claudia Roth, Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD), der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Adolf Muschg, oder Walter Jens unterstützten das Anliegen genauso wie die Familie Dutschkes. Berliner CDU-Politiker wie Ex-Bürgermeister Eberhard Diepgen nannten den Vorschlag hingegen eine "politische Geschmacklosigkeit" und warfen Dutschke vor, zur Gewalt aufgerufen zu haben.
Wann die Umbenennung umgesetzt wird, ist noch unklar. Nach Angaben der Verwaltung könne es mehrere Monate dauern. Die Kosten seien mit 1.500 Euro für neue Straßenschilder und Genehmigungen nicht sehr hoch, hieß es. THILO KNOTT
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