BERLIN
taz Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter - und die Männer holen dabei auf. Nach den neuesten Zahlen der so genannten Sterbetafel von 2002 bis 2004 leben Frauen im Durchschnitt nur noch 5,7 Jahre länger als Männer. In der Zeit von 1991 bis 1993 betrug der Unterschied noch 6,5 Jahre, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern mitteilte. Im Durchschnitt werden Männer derzeit 75,9 Jahre und Frauen 81,5 Jahre alt.
Experten begründen den verringerten Abstand zwischen Männern und Frauen in der durchschnittlichen Lebenserwartung mit dem Aussterben der Kriegsjahrgänge bei den Männern, der Angleichung der Lebensweise beider Geschlechter und der größeren Zahl berufstätiger Frauen. So ist beispielweise bei den Frauen auch der Anteil der Raucherinnen gestiegen, und viele Mütter sind heute einer Doppelbelastung ausgesetzt.
In Entwicklungsländern sieht die Differenz ohnehin anders aus, darauf weist der Mediziner Hans-Uwe Eickenberg hin. In Bangladesch etwa werden die Männer im Schnitt älter als die Frauen. In diesen Ländern sterben Frauen häufiger bei Geburten und an Infektionen. Auch in den vorindustriellen Gesellschaften Europas im 19. Jahrhundert betrug der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen nur ein bis zwei Jahre.
Die aktuelle Sterbetafel für Deutschland basiert auf den Angaben über die Gestorbenen und die Bevölkerung der vergangenen drei Jahre. Aussagen über die künftige Lebenserwartung heute Neugeborener sind daher nicht präzise möglich, hieß es gestern beim Statistischen Bundesamt. BARBARA DRIBBUSCH
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