• 22.09.2005

Tatmotiv Ehre?

Bei vier Tötungen von Frauen in Berlin zwischen November 2004 und Februar 2005, stammen die mutmaßlichen Täter und die Opfer aus Einwandererfamilien aus kurdischen Gebieten der Türkei. Ob den Taten eine subjektiv empfundene Verletzung der Ehre des Täters beziehungsweise der betreffenden Familien zugrunde liegt, ist umstritten und muss vom Gericht festgestellt werden. Ob sich ein solches Tatmotiv Ehrverletzung strafmildernd oder strafverschärfend auswirkt, liegt im jeweiligen Ermessen des Richters.
Semra U. (21) wird am 24. November 2004 in Reinickendorf erstochen. Ihr Ex-Ehemann Cengiz U., der die Tat gestanden hatte, wurde gestern zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlages veurteilt. Nach Ansicht des Richters hat es sich nicht um einen Mord aus verletzter Ehre gehandelt.
Melek E. starb am 29. November 2004 im Urban-Krankenhaus an den Folgen von Messerstichen. Ihr Lebensgefährte Selahattin E. wurde wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Meryem Ö. wurde am 4. Januar 2005 in ihrer Wohnung in Neukölln erwürgt. Der Tatverdächtige, ihr Lebensgefährte Mahmut S., flüchtete in die Türkei. Dort wurde er inhaftiert und soll vor Gericht gestellt werden.
Wegen des Mordes an Hatun Sürücü, die am 7. Februar erschossen wurde, stehen derzeit drei ihrer Brüder vor Gericht. AWI

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