A History of Violence
Die dialektischen Verschränkungen im Kino David Cronenbergs haben in bisher 20 Jahren eines der komplexesten Gesamtwerke hervorgebracht. Wie kein anderer Regisseur versteht er sich darauf, den menschlichen Körper in eine symbolische Ordnung zu überführen, ohne die obszöne Lust am Fleischlichen kalter Zeichenhaftigkeit zu unterwerfen. Auch sein neuer Film fügt sich hier nahtlos ein, selbst wenn es etwas dauert, bis die Handschrift des Regisseurs erkenntlich wird. Denn "A History of Violence" gibt sich den Anschein eines konventionellen Thrillers. Die Vertrautheit der Bilder unterstreicht die behagliche Normalität, die hier als Lebenskonzeption behauptet wird. Dabei ist der Film eine profunde Reflexion über Gewalt. Cronenberg untersucht sie in all ihren Facetten. Nicht die moralischen Standpunkte interessieren ihn, sondern die Affekte, die sie hervorrufen - die Reaktion des Zuschauers, des ewigen Voyeurs.
Was lebst du?
Bettinas Brauns Dokufilm "Was lebst du?" ist einer der beeindruckendsten dieses Jahres. Über zweieinhalb Jahre hat die Filmemacherin die Freunde Ali, Kais, Ertan und Alban begleitet, hat sie befragt und von sich erzählen lassen. Eine Ausdauer, die sich gelohnt hat: Selten sonst wird man einen ähnlich differenzierten Einblick gewährt bekommen in die Lebensentwürfe und Ansichten von Jugendlichen, die von den Medien sonst unter den Rubriken "Parallelgesellschaft" und "Problemgruppe" abgehandelt werden. Hier reden junge Männer an der Schwelle zwischen jugendlichem Leichtsinn und dem Ernst des Erwachsenwerdens freimütig über Träume, Hoffnungen und Befürchtungen.
A HISTORY OF VIOLENCE: Central, Cinemaxx Colosseum + Potsdamer Platz, Cinestar Sony Center + Tegel, Filmkunst 66, FT Friedrichshain, Neues Off, UCI Kinowelt Potsdam Center. WAS LEBST DU? Central, fsk
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