BERLIN taz
In Scharen pilgern junge Deutsche an österreichische Universitäten, weil sie daheim keinen Studienplatz in Medizin bekommen. Eine umgekehrte Wanderung könnte es allerdings auch bald geben. Um den akuten Lehrermangel an heimischen Schulen zu bekämpfen, schlägt der Deutsche Philologenverband (DPhV) vor, Pauker aus Österreich anzuwerben. Die Alpenrepublik hat mehr Lehrer, als sie tatsächlich braucht.
Anders sieht es hierzulande aus. Dieses Jahr gibt es bereits 10.000 Pädagogen zu wenig. In den nächsten zehn Jahren wird der Lehrermangel sich drastisch zuspitzen. "Bis 2015 fehlen an deutschen Schulen rund 80.000 Lehrer", sagte Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Philologenverbands, der taz.
Grund ist die minimalistische Einstellungspraxis der Kultusminister und die bevorstehende Pensionierungswelle: In den nächsten Jahren treten rund 40 Prozent der Lehrer in den Ruhestand. Immer weniger junge Leute interessieren sich für den Beruf. Deshalb gibt es neuerdings für die freien Stellen nicht genug Bewerber.
Die Kultusminister hätten bei der Personalplanung völlig versagt, kritisierte Meininger: "Statt junge Lehrer vorausschauend einzustellen, hat man sie jahrelang abgewiesen und so in andere Berufe gedrängt." Marianne Demmer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) moniert die föderalistische Kleinstaaterei: "Es ist nicht akzeptabel, dass Bundesländer sich gegenseitig ausgebildete Lehrer wegschnappen." Vielmehr müssten die Länder endlich eine gemeinsame Bedarfsplanung erstellen, um die Nachwuchssorgen zu lösen.
Der Philologenverband schlägt vor, das Lehramtsstudium zu verkürzen. Durch einen Freischuss beim Examen könnte man die Studierenden zu einem früheren Abschluss ermutigen. Seiteneinsteiger mit naturwissenschaftlichem Studium sollen zudem als Lehrer umgeschult werden. Bis diese Maßnahmen greifen, könnten Kollegen mit Wiener Dialekt an deutschen Schulen aushelfen. JAN PFAFF
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