• 29.10.2005

Al-Quds-Demonstration

Lass dich nicht verarschen

Gegen Antisemitismus und für ein friedliches Nebeneinander, forderten die Plakate. Im vergangenen Jahr sah die Al-Quds-Demonstration gar nicht aus wie eine Veranstaltung, auf der zur Vernichtung Israels aufgerufen werden sollte. Doch genau das ist ihr eigentlicher Zweck, alles andere ist Mimikry.

KOMMENTAR
VON DANIEL SCHULZ

Extremisten beherrschen das Spielen mit den Parolen des Gegners. Das zeigen etwa die jungen Anhänger der NPD. Sie gehen heute mit Slogans auf die Straße, die früher als exklusiv links galten. Gegen Hartz IV, gegen den Kapitalismus, für eine Reichensteuer. Sogar den Sozialismus versuchen sie für sich zu vereinnahmen, den wahren natürlich, den nationalen. Wird ihre Ideologie darum weniger menschenverachtend? Nein.

Mit Vergleichen heißt es vorsichtig sein, allzu oft passen sie nicht. Doch es geht hier nicht um das Gleichsetzen von Faschisten mit Muslimen, nicht einmal mit Islamisten. Sondern aus dem zu lernen, was bereits erkannt wurde. Daher trifft auch der Vorwurf nicht, die Kritik an den Al-Quds-Demonstranten wäre nicht fair. Sie hätten sich geändert, und das solle doch bitte zur Kenntnis genommen werden. Es mag sein, dass am Sonnabend einige Al-Quds-Marschierer wirklich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Israelis und Arabern demonstrieren. Doch dann tun sie es am falschen Ort zur falschen Zeit.

Der Al-Quds-Tag ist eindeutig belegt, er gilt der Vernichtung Israels. Irans Präsidenten haben das immer und immer wieder deutlich gemacht, vor ein paar Tagen erst wieder Mahmud Ahmadinedschad. Der Al-Quds-Marsch kann deshalb auch keine Geste der Versöhnung sein. Was wäre, wenn die Neonazis den Rudolf-Hess-Marsch in Wunsiedel in einen Tag für Deutsch-Englisches Verzeihen umbenennen würden? Würde Ihnen jemand glauben? Nein, aus gutem Grund. Daher ist die Gegendemonstration auch kein Fanal der Antiislamisten, auch wenn dieses Jahr wieder antideutsche Vereinfacher und revanchistische Schahfans dabei sind. Damit die nicht die Oberhand gewinnen, gibt es ein Mittel: Hingehen.

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