Wenn Erfolg von Fachwissen abhängt, ist Ellen Johnson-Sirleaf die ideale Präsidentin für ein kriegszerstörtes Land wie Liberia. Der Lebenslauf der 67-Jährigen führt über das Finanzministerium ihres Landes bis zur Weltbank, mit den Stationen Citicorp, Hong Kong Equator Bank, Liberianische Entwicklungsbank, Afrikanische Entwicklungsbank, Internationaler Währungsfonds, UN-Wirtschaftskommission für Afrika, UN-Entwicklungsprogramm und ein Posten als Untergeneralsekretärin der Vereinten Nationen. Sie gehört ebenso wie Kofi Annan zu Westafrikas meist exilierter Bildungselite, mit besten Connections und weltweit gutem Ruf.
Dem Vorwurf, zu einer Elite zu gehören, deren Versagen Liberia erst zum Inbegriff des Chaos machte, kann sich Johnson-Sirleaf allerdings kaum entziehen. Ihren politischen Aufstieg verdankt die Fachökonomin dem alten Regime von Ameriko-Liberianern, Nachkommen freigelassener schwarzer Sklaven aus den USA, die im 19. Jahrhundert an der ehemaligen "Pfefferküste" Westafrikas die Republik "Liberia" gründeten und diese bis 1980 allein regierten.
Ihren Schulabschluss machte Johnson-Sirleaf bereits 1955. Ihre politische Laufbahn begann in der Opposition zu Militärdiktator Samuel Doe, der 1980 das alte Regime gestürzt hatte - parallel zu der des anderen großen ameriko-liberianischen Gegners von Doe, Charles Taylor. Der wurde Rebellenchef gegen Doe und errichtete als Präsident Liberias von 1997 bis 2003 ein Schmugglerreich, das das Land erneut in den Krieg führte.
Vorwürfe übergroßer Nähe zu Taylor, heute als Kriegsverbrecher verrufen, überschatten Ellen Johnson-Sirleaf bis heute. Dabei war sie die unterlegene Gegenkandidatin, als Taylor 1997 durch Wahlen an die Macht kam. Seitdem gilt die streitbare Großmutter als Inbegriff der Rückkehr zu vergangenen, vernünftigeren Zeiten. Mit diesem Image und dem Spitznamen "Eiserne Lady" trat sie auch dieses Jahr zu den Wahlen an - als Gegenpol zum ungestümen, populistischen Fußballstar George Weah, der als Vertreter der "Interessen des Bauches" von Kindersoldaten und Kriegsgeschädigten auftrat. In der ersten Runde landete Johnson-Sirleaf hinter Weah auf Platz zwei, aber vor der Stichwahl führte sie den überzeugenderen Wahlkampf.
Es spricht für die Kriegsmüdigkeit der Liberianer, dass sie nach Jahren des Terrors durch Warlords eine Frau wählen, die keinem der Männerbünde angehört, die Liberia ruiniert haben. Johnson-Sirleaf wird ihr ganzes wirtschaftspolitisches Wissen einsetzen müssen, das Land nicht zu enttäuschen.
DOMINIC JOHNSON
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