Samsung hat die Produktion der Bildröhren in Oberschöneweide gestern gestoppt. Der Grund laut der Betriebsführung: die seit Donnerstag vergangener Woche andauernden Betriebsversammlungen wegen der geplanten Schließung des Werks zum Jahresende. Dadurch hätte an vier Tagen die Produktion stillgestanden, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Da auch in den kommenden Tagen Versammlungen anstünden und das An- und Abfahren der Maschinen 26 Stunden dauere, lohne die weitere Produktion nicht mehr.
Gestern Morgen trafen sich IG Metall und Konzernleitung zu einem ersten Gespräch, um über einen Sozialplan für die Mitarbeiter zu verhandeln. Überraschend kündigte der Betriebsrat dabei ein neues Fortführungskonzept an. Am Freitag wolle man dies der Geschäftsführung vorlegen.
Laut dem Betriebsratsmitglied Stephan Hille will man dem Konzern vorschlagen, in Zukunft in Oberschöneweide so genannte Slim-Röhren zu produzieren. Diese Bildröhren besäßen die gleiche Bildschirmgröße und Qualität wie traditionelle Röhren; sie seien allerdings wesentlich flacher. Bisher produziert das Werk herkömmliche Röhren, die allerdings auf dem Markt durch die starke Konkurrenz von Flachbildschirmen immer weniger gefragt sind.
Helmut Meinke, Geschäftsführer von Samsung, unterstrich dagegen gestern die Notwendigkeit einer Schließung. Die Produktion in Oberschöneweide sei unwirtschaftlich. Dennoch wolle man am Montag zu dem neuen Konzept des Betriebsrats Stellung nehmen.
Die Gewerkschaft setzte sich in den Verhandlungen für den Abschluss eines Sozialtarifvertrages ein, um im Falle der Schließung die Abfindungssummen zu klären. Gefordert werden drei Bruttomonatslöhne pro Beschäftigungsjahr, so Klaus Wosilowsky von der IG Metall. Die Verhandlungen wurden gegen 13 Uhr vertagt. "Wenigstens sind sie nicht gescheitert. Nach dem Wochenende sehen wir weiter", sagt Hille.
Während die Verhandlungsführer diskutierten, demonstrierte die Belegschaft. 500 Samsung-Mitarbeiter fuhren mit 285 Autos quer durch die Innenstadt vor das IG-Metall-Haus in Kreuzberg und untermalten die Verhandlungen mit einem lärmenden Hupkonzert.
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