"Schleimig", "stinkend", "säuerlich", "faulig", "ranzig", oder: "mit nicht unerheblicher Geruchsabweichung". Die Behörden suchen noch nach dem passenden Vokabular, um zu beschreiben, was sich täglich vor ihnen auftürmt: immer größere Mengen Gammelfleisch. Es ist der vierte Fleischskandal des Jahres, der unsere sorglose Sattheit stört. Gerade noch haben wir uns über einen Betrieb im Kreis Cloppenburg aufgeregt, wo mit einer Injektionsmaschine systematisch und tonnenweise Putenbrüste mit Wasser und Bindemittel um 30 Prozent vergrößert wurden, schon lesen wir von Zwischenhändlern, die sich seit Jahren darauf spezialisiert haben, kritische Ware kurz vor dem Verfallsdatum aufzukaufen und neu zu frisieren. Leicht verschwommen erinnern wir uns auch noch an den Fall "real", wo abgelaufenes Hack mit neuem Datum aufgefrischt wurde.
Was haben alle Skandale gemeinsam? Hier sind keine Einzeltäter am Werk, da haben hunderte mitgemacht, mitgerochen, mitbetrogen, mitgespritzt. Und alle Skandale spielen im Schnäppchenwunderland, wo der Premium-Schweinebauch preisgünstiger ist als Katzenfutter, wo die Margen besonders eng sind. Da kann es sich ein Händler kaum leisten, verdorbene Ware zu entsorgen, da wird recycelt, umetikettiert und aufgehübscht. Das muffelt ein wenig, aber der Appetit kommt beim Essen.
Vor allem ist hier eine Branche betroffen, die bis ins Mark verludert und verroht ist. Das fängt bei der Tierhaltung an. Wer sich die Details der neuen Mastanlage für 85.000 Schweine in Hassleben (Brandenburg) vor Augen führt, der kann nur Soja-Liebhaber werden: reizarme Monsterställe ohne Tageslicht, Einstreu, mit den gefürchteten Kastenständen, in denen die Muttersauen bewegungslos eingemauert sind. Die Transporte zum Schlachthof, das Schlachten selbst - alles schnell, billig, rücksichtslos mit Lohndumping und ukrainischen Hilfsarbeitern. Die diversen Fleischskandale oder sagen wir lieber der große Fleischskandal ist die logische Konsequenz einer Branche, die alle ethischen Maßstäbe verloren hat, die Billigfleisch produziert wie andere Leute Ziegelsteine. Wann vergeht uns endlich der Appetit?
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