von PLUTONIA PLARRE
Es geschah in den Nachmittagsstunden des 1. Advent - kurz vor dem Dunkelwerden: Zu einem Zeitpunkt, zu dem andere Leute in der warmen Stube am gedeckten Kaffeetisch hocken, treffen sich rund hundert polnische und deutsche Hooligans in einem abgelegenen Waldstück in Brandenburg zum Kräftemessen. Genauer gesagt zu einer Schlägerei. Solche Begegnungen unter Bezeichnungen wie "Auswärtsspiel" oder "dritte Halbzeit" gebe es häufiger, sagt der Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität (OK) beim Berliner Landeskriminalamt, Axel Bédé, zur taz. Es brauche kein Fußballspiel als Anlass. Kennzeichnend für die Auseinandersetzungen sei, dass diese "extrem konspirativ und abgeschottet stattfinden".
Was die Hooligans am Sonntag nicht wissen: Die Berliner Polizei hat "kurzfristig" von dem Treffen in dem Waldstück bei Briesen (Oder-Spree) Wind bekommen und rund hundert Beamte des Spezialeinsatzkommandos aus Berlin und Brandenburg in Marsch gesetzt. Das Problem ist nur: Die Lage in dem Gebiet ist extrem unübersichtlich. "Wir befanden uns mitten im Wald. Irgendwo im Nirgendwo", beschreibt Bédé die Situation. Dass es langsam dunkel wird, kommt erschwerend hinzu. "Da nutzt auch das Navigationssystem nicht mehr viel." Zum Glück stoßen die Beamten auf einen Wachposten der Hooligans. Nun wissen sie, dass sie richtig sind. Die Schlägerei ist gerade vorbei, als der Zugriff erfolgt. 53 polnische Hooligans werden in einem Reisebus gestellt, der gerade den Wald verlassen will. Die Insassen sind vom Kampf total verschwitzt, viele auch verletzt. In den 15 Pkws mit deutschem Kennzeichen das gleiche Bild. Die Identitätsfeststellung ergibt, dass die 45 Insassen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg und Berlin kommen. Darunter befinden sich laut Polizei auch einschlägig bekannte Personen aus der Berliner Türsteher- und Rockerszene und Althooligans der so genannten Kategorie C, die von der Polizei als besonders gewaltbereit eingestuft werden. Auch einer der Schläger, der 1998 während der Fußballweltmeisterschaft in Lens den französischen Gendarm Daniel Nivel zum Invaliden prügelte, ist mit von der Partie.
Die Bundespolizei eskortiert den Bus mit den polnischen Hooligans zur Grenze. Ihre Namen landen im deutschen Polizeicomputer. Die Fußball-WM steht vor der Tür, und polnische Hooligans gelten bei der Kripo als extrem gewaltbereit. Gegen sämtliche Beteiligten wird ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch eingeleitet.
OK-Leiter Bédé spricht von einem "herausragenden Erfolg". Seine Hoffnung ist, dass von dem Einsatz - auch in Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft - eine Signalwirkung in Richtung Hooliganszene ausgeht: "Die Polizei ist am Ball."
Bleibt nur noch die Frage, wer im Wald gewonnen hat. "Laut Auskunft der Deutschen waren es die Polen", sagt Bédé. "Aber der wahre Sieger heißt Polizei."
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