von Martin Kaul
Kaum beschließen die Studierenden der Freien Universität (FU) einen Streik, kündigt die Hochschulleitung umfangreiche Änderungen bei den Bachelor-Studiengängen an. Unter anderem sollen die Anmeldungen zu Lehrveranstaltungen flexibilisiert werden und die Überschneidungen von Veranstaltungen behoben werden. Auch die umstrittene Regelung zu so genannten Maluspunkten werde vorläufig ausgesetzt, hieß es gestern Abend in einer Mitteilung des FU-Präsidiums.
Am Vorabend hatte die Mehrheit von rund 700 Studierenden auf einer Vollversammlung einen Warnstreik beschlossen. Ab Montag soll für vorerst eine Woche der Unialltag zum Erliegen kommen.
Gründe für den Protest sind Probleme bei der Einführung der Verwaltungssoftware "Campus Management", die Ablehnung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge sowie organisatorische Schwierigkeiten bei deren Einführung. Auch die Ankündigung von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), bis zum Jahr 2008 Studiengebühren einzuführen, sorgt für Unmut (siehe unten).
Die Studierenden sehen sich mit Bedingungen konfrontiert, die ein qualitatives Studium nicht zuließen. Ihre Forderungen wollten die FU-Studierenden auf der für gestern vorgesehenen Sitzung dem Akademischen Senat überreichen. Doch die Sitzung fiel überraschend aus. Es seien Raumprobleme wegen Baumaßnahmen im Senatssaal aufgetreten, lautete die offizielle Begründung. Noch auf der Vollversammlung teilte Vizepräsident Werner Väth mit, die Sitzung werde "wie immer im Saal des Akademischen Senats" stattfinden.
In den vergangenen Tagen kam es auch in anderen deutschen Städten zu Protesten. In Hamburg protestierten am Dienstag etwa 3.000 Studierende. In Augsburg waren 400 Studierende auf der Straße. In Nürnberg wird eine Fachhochschule bestreikt. In Göttingen ist seit Dienstag der Amtssitz des Uni-Präsidenten besetzt.
Auch die FU-Studierenden scheinen entschlossen zu sein. Auf einer Spontandemo nach der Vollversammlung zogen etwa 300 Studierende zum Unipräsidium. Dort holten sie Fahnen ein und hinterließen Aufkleber sowie Plakate. Ein Fenster ging bei den Aktionen zu Bruch.
Die Studierenden der Humboldt- (HU) und der Technischen Universität (TU) beobachten das Geschehen an der FU. Die Studienstruktur an der HU entwickle sich in dieselbe Richtung, sagt Katrin Lehmbecker, Verantwortliche für Hochschulpolitik im ReferentInnenrat der HU. Sie beobachte "mit Spannung", ob die Studierenden selbst aktiv würden. "Da kann sich schnell eine Dynamik von unten entwickeln."
Gelassener ist die Lage an der HU. "Die Umstellungen auf Bachelor und Master bringen bei uns derzeit nicht so große Probleme hervor, dass die Studierenden streiken müssten", sagt Unisprecherin Angela Bittner.
Ebenso äußert sich TU-Präsident Kurt Kutzler: Er sehe im Moment keine Anzeichen für einen Streik an der TU. "Wir haben eine gute Kommunikationsbasis mit den Studierenden", sagt er. Das sieht Anja Kohfeldt vom Asta zwar anders. Aber auch sie räumt ein, dass die Probleme an der TU geringer seien als an der FU. Dennoch erkläre sich der Asta mit den FU-Studierenden solidarisch.
An der FU geht es heute mit einer Mobilisierungsdemo weiter. Treffpunkt ist um 12 Uhr im Mensa-Foyer. Der "Warnstreik" am Montag wird um 10 Uhr mit einem offenen Vorbereitungstreffen eröffnet, um 12 Uhr folgt eine Vollversammlung.
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