• 06.01.2006

trends 2006

Feinstaub auf ein Neues: Experten fordern Subventionen für Rußpartikelfilter

Exakt vor Jahresfrist titelte die taz: "Start ins Jahr der Fahrverbote". Und? War da was?

In Deutschland sterben laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 65.000 Menschen an den Folgen des so genannten Feinstaubes. Das sind jene mikrometergroße Partikel, die besonders durch Dieselmotoren hervorgerufen werden - weshalb man auch Dieselruß dazu sagt. Im Gegensatz zu Großstaub -normalem Hausstaub - wird Feinstaub nicht über die Atemwege wieder ausgeschieden, sondern lagert sich in der Lunge ab.

Zum 1. Januar 2005 hatte die EU daher den Grenzwert für Feinstaub in der Außenluft auf 50 Mikrogramm je Kubikmeter festgesetzt. Überschritten werden darf dieser Wert nur an maximal 35 Tagen im Jahr - und das auch nur in einer Übergangszeit. Das Bundesumweltamt errechnete, dass 2005 mindestens 30 deutsche Städte den EU-Grenzwert überschritten - manchmal um bis zu 600 Prozent. Klar scheint also, dass etwas passieren muss in diesem Jahr. Wird also 2006 zum Jahr der Fahrverbote?

Seit Jahresanfang ist für Pkws die Euro-4-Norm verbindlich: Die Motoren dürfen nur noch 25 Mikrogramm Feinstaub je Kilometer emittieren. "Die wenigsten Autos auf unseren Straßen entsprechen dieser Norm", sagt Holger Schulz, der das Institut für Inhalationsbiologie in München leitet. Fast zwei Drittel aller Fahrzeuge seien stark rückständig, könnten nicht nachgerüstet werden. Daher könne auch der vielfach geforderte Partikelfilter kurzfristig "nur Effekte" bringen.

Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe fordert dennoch eine flächendeckende Einführung von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen. Nicht nur die Nachrüstung, auch der Kauf von Neufahrzeugen mit Filter müsse staatlich gefördert werden. Rosenkranz: "Mehrfach hat die Regierung das schon versprochen. Nichts ist passiert".

"Wir brauchen außerdem eine Kennzeichnungspflicht für Diesel-Fahrzeuge", so Daniel Kluge, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland. Nur wenn es eine differenzierte Kennzeichnung gäbe, könnten "Stinker" gezielt aus den Städten verbannt werden. Ein generelles Durchfahrtsverbot für Lkws über 3,5 Tonnen, wie seit Jahresanfang in Stuttgart eingeführt, halten die Experten für sinnvoll.

2008 tritt die Selbstverpflichtung der Automobilindustrie in Kraft, Dieselfahrzeuge nur noch mit Rußfilter zu verkaufen. 2010 greift die Euro-5-Norm der EU. Dann dürfen Autos nur noch 5 Mikrogramm Partikel je Kilometer ausstoßen. Als Nächstes müssten nach Expertenmeinung neue Verkehrsregeln greifen. Nur so könnten sich etwa durch Abrieb bedingte Emissionen verringern. Daniel Kluge denkt dabei an "verstärkt Tempo 30 in den Innenstädten".

Neben Fahrzeugen sind Öfen in der Feinstaub-Kritik. "Kohleöfen müssen auf moderne Techniken umgestellt werden", sagt Holger Schulz. Bei modernen Pellet- oder Kohleöfen ist nach einer Studie der Uni Stuttgart die Partikelkonzentration nicht nur gering. Sondern die Partikel sind auch viel größer. Und weil Lungen größere Partikel wieder abstoßen, sind sie nicht gesundheitsschädlich. HEIKE SCHMIDT

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