Jeff Goldblum war der Held meiner Kindheit. Wegen ihm und seinem Film "Die Fliege" trug ich Kämpfe mit meinen Erziehungsberechtigten aus. Die meinten, der Gruselschocker wäre zu viel für mich, damals. In Wahrheit, das weiß ich jetzt, ist der zum borstigen Insekt gebeamte Wissenschaftler, der tapfere Drachentöter aus "Jurassic Park", eine Flirtmaschine, ein Zwangscharmeur allererster Güte. Er macht Späßchen mit jeder Frau unter 30, die sich am Set seines neuen Films "Fay Grim" befindet, den er gerade mit Regisseur Hal Hartley in Berlin dreht. Außerdem lernt er die Namen der Crew auswendig, um dann grimassenschneidend mit dem Finger auf alle zeigen zu können.
Aber auch sonst klaffen zwischen Film-Schein und Wirklichkeit Gräben: Parker Posey, die Hauptdarstellerin, wird gern als "Queen of Indies" apostrophiert, hat allerdings ein Licht-Double für die Momente, die sie noch in der Garderobe verbringt, an ihrer Stickarbeit sitzt oder sich um ihren Schoßkläffer kümmert.
Berlin darf zwar seine billigen Drehorte hinhalten, kommt aber selbst kaum vor in der Spionagegeschichte. Ein Hotel am Ku'damm spielt Hotel in Istanbul, hundert Meter weiter befindet man sich in einer Pariser Nobelabsteige. Eine Wohnsiedlung in Britz mit butzigen Einfamilienhäusern aus den Zwanzigern stellt Queens dar - Britz und New York! Auch eine Szene in einem Geheimdienstbüro im afghanischen Kabul steht auf dem Plan, gedreht wird sie: in der ehemaligen Stasizentrale in Lichtenberg. Der Drachentöter isst zum Frühstück übrigens ausschließlich ungewürztes Eiweißomelette, ohne Fett angebratene Hähnchenbrust und lecker Haferschleim mit entrahmter Milch. Ich habe ihn zu Grabe getragen, meinen Helden. ANNE WAAK
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