Bremen taz
In dem Streik der staatlichen Kitas gehe es nicht um 18 Minuten mehr Arbeit pro Tag: "Wir arbeiten sowieso fast jeden Tag länger als in unseren Arbeitsverträgen vereinbart ist", so Hildegard Vogelsang von der Kita Waller Park. Das Problem liege darin, dass sich mit der geplanten Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich die Berechnungsgrundlage für die geleistete Arbeit ändert. Am direktesten sind davon die Teilzeitkräfte betroffen: Da sie gar nicht die Möglichkeit haben, länger zu arbeiten, trifft sie eine Anhebung der Wochenarbeitszeit in Form einer Lohnkürzung um vier Prozent. Weiterhin bringt eine Änderung der Bemessensgrundlage der vorhandenen Arbeit eine Änderung des Personalschlüssels mit sich. In der Konsequenz befürchten die Bremer ErzieherInnen den Abbau von Arbeitsplätzen. Mit weniger Personal lasse sich jedoch die Qualität der Kinderbetreuung an den Kitas nicht aufrecht erhalten, so Vogelsang. Der Streik sei also auch im Sinne der Eltern und Kinder.
Am 18. Tag des bundesweiten Streiks des öffentlichen Dienstes, an dem sich nun mehr als 13.500 Beschäftigte beteiligen, traten die ErzieherInnen als erste Bremer Partei bei. Zum Auftakt ihres Streiks zogen 900 streikende BremerInnen unterstützt durch etwa 1.600 weitere Personen zu einer Kundgebung am Marktplatz durch die Stadt. "Ihr seid keine Kosten auf zwei Beinen", sprach Wolfgang Denia von Ver.di Niedersachen / Bremen den Streikenden Mut zu. Die Gewerkschaftler kündigten an, so lange im Streik zu bleiben, bis sie ihre Forderungen durchgesetzt hätten.
Einen kleinen Erfolg konnte Ver.di schon verbuchen: Eine teilzeitbeschäftigte Erzieherin konnte vor dem Landesarbeitsgericht Bremen in Berufungsinstanz einklagen, dass ihr Gehalt bei der Verlängerung ihres Vertrags auf 38,5 Stunden und nicht, wie bei neuen Verträgen üblich, auf 40 Stunden als Grundlage berechnet wird.
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