Das Wohnzimmer der Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihres Ehemannes wurde durch eine Überwachungskamera gefilmt. So klingt, vornehm ausgedrückt, was geschehen ist. Weniger vornehm: "Big brother is watching you." Der große, beobachtende Bruder waren die Leute vom Sicherheitsdienst des Pergamonmuseums. Mit einer dort auf dem Dach angebrachten Überwachungskamera konnte direkt ins Wohnzimmer der gegenüber wohnenden Kanzlerin geschaut werden. Die Kamera steht schon seit acht Jahren da, ist schwenkbar und hat einen starken Zoom.
KOMMENTAR
VON WALTRAUD SCHWAB
Vielleicht ist der Vorfall noch zu neu, trotzdem fällt auf: Verlautbarungen der Parteien, die die Verletzung von Angela Merkels Privatsphäre anprangern, liegen bisher nicht auf dem Tisch. Nur die Bild-Zeitung, die keine Angst vor Doppelzüngigkeit hat, argumentiert bereits dergestalt.
Was aber ist wirklich passiert? Eine Vertreterin jener gesellschaftlichen Gruppe, die allen Bürgerinnen und Bürgern die vollständige Beobachtung mit Überwachungskameras unter allen Umständen schmackhaft machen will, hat den subjektiven Faktor, der damit verbunden ist, höchstpersönlich erfahren. Denn in Momenten beobachtet zu werden, in denen man sich unbeobachtet wähnt, ruft Gefühle des Ausgeliefertseins hervor.
Dies sollten sich die Verfechter der Überwachung merken. Umso mehr, als der objektive Faktor der Videokontrolle, dem zufolge diese mehr Sicherheit biete, bis heute umstritten ist. Dass dennoch daran festgehalten wird, zeigt, dass die Verfechter der Bevölkerung misstrauen.
Dass die negativen Seiten der Überwachung nun ausgerechnet die Bundeskanzlerin getroffen haben, ruft neben der Schadenfreude auch die Hoffnung hervor, dass Hardliner etwas daraus lernen.
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