Artenschutz und Biopiraterie sind eine komplizierte Materie, zumal auf internationalem Parkett. Doch was sich in den vergangenen drei Wochen im brasilianischen Curitiba abspielte, dürfte als Tiefpunkt in die Geschichte der UN-Umweltkonferenzen eingehen. Für Ausweisung und vor allem Kontrolle neuer Naturschutzgebiete gibt es immer weniger Geld. Und nach nächtelangem Feilschen um einzelne Wörter und Satzzeichen einigten sich die 188 Vertragsstaaten der Biodiversitäts-Konvention gerade mal darauf, ihr Hauptthema zu vertagen: ob und wie die Gewinne aus der Nutzung natürlicher Ressourcen verteilt werden sollen.
Dieser "Kompromiss", den die Industriestaaten den artenreichen Ländern des Südens aufdrückten, erinnert daran, was 132 Delegationen zwei Wochen zuvor an gleicher Stelle beschlossen: eine verbindliche Kennzeichnungspflicht für Genfood-Importe nicht vor 2012 einzuführen. In beiden Fällen profitieren vom ungeregelten Status quo Pharma- und Agrokonzerne. In beiden Fällen zogen die USA, die die Konvention von 1994 nicht ratifiziert haben, im Hintergrund die Strippen. Und in beiden Fällen gaben sich die Europäer konzilianter, ohne jedoch der Offensive der Raubbaulobby etwas Nennenswertes entgegenzusetzen.
Die Kleinbauern und Urvölker des Südens werden in ihrem Abwehrkampf immer weiter zurückgedrängt. Bestenfalls gelingt es ihnen, zu bremsen, wie bei den Moratorien für steriles Saatgut und gentechnisch manipulierte Bäume. Auch Brasiliens Regierung, die jetzt den Vorsitz der Konvention übernommen hat, mühte sich redlich. Ihr Vorstoß, die "Rio-Konventionen" zu Biodiversität, Klimaschutz und Kampf gegen die Wüstenbildung stärker zusammenzuführen, verdient Unterstützung.
Wirkliche Erfolge kann jedoch es nur geben, wenn Umweltschutz und Nord-Süd-Ausgleich in den Industrieländern wieder zum Thema werden. So gesehen, ist die Bereitschaft der Bundesregierung, die Artenschutzkonferenz 2008 auszurichten, eine Chance. Wenn der öffentliche Druck bis dahin zunimmt, könnten den guten Absichten endlich Taten folgen. GERHARD DILGER
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