Die Lage war immer schon prekär, früher. Heute wird dieses hübsche Attribut auf schlechterdings alles angewendet, sei's die deutsche Konjunktur, die Praktikantin in den Medien, die Bundeswehr in Afghanistan oder die praktizierende Ärztin - alles ist prekär. Schuld daran ist der französische Soziologe Pierre Bourdieu, der ein wachsendes Angebot unsicherer und schlecht bezahlter Jobs beobachtet und für diesen gesellschaftlichen Prozess des Begriff der Prekarisierung vorgeschlagen hat.
Was in der fordistisch geprägten Arbeitswelt noch garantiert schien - Kündigungsschutz, Tariflohn, soziale Absicherung -, das ist in der postfordistischen Arbeitswelt mit ihren Minijobs und Dauerpraktika eben prekär, was wörtlich so viel wie "unsicher, bedenklich, schwierig" bedeutet. Wenn das Wort derzeit Karriere macht, dann deshalb, weil es sich als handlicher Kampfbegriff allen aufdrängt, die sich gegen eine schleichende Ökonomisierung aller lebensweltlichen Aspekte stemmen.
Arbeit schützt vor Armut nicht - als diese Erkenntnis noch neu war, wurde sie "risikofreudig" und "flexibel" begrüßt. Prekär ist die Lage immer erst dann, wenn's schief geht. FRA
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