Den törichtsten Vergleich stellte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf. Er kommentierte die rassistische Bluttat von Potsdam mit den Worten, auch Blonde würden Opfer von Gewalt. Sein Brandenburger Innenministerkollege und Parteifreund Jörg Schönbohm sorgt sich ganz offensichtlich einzig und allein um das Image seines Bundeslands. Dabei geht er sogar so weit, dem unabhängigen Chefermittler, Generalbundesanwalt Kay Nehm, die Kompetenz abzusprechen, und versucht, von oben in die Justiz hineinzuregieren. Und: Trotz aller Medienschelte zeitigen die unsäglichen Äußerungen der beiden Innenminister Wirkung.
Seit dem Wochenende wird in der Öffentlichkeit verstärkt der Verdacht geäußert, dass das Opfer von Potsdam womöglich selbst die Schuld trägt. Schließlich sei der 37-jährige Afrodeutsche angetrunken gewesen. Und vor dem Übergriff habe er sich mit einem Busfahrer gestritten, weil dieser ihm den Geldschein mit zu viel Kleingeld wechseln wollte. Zudem habe das Opfer die beiden Täter als "Schweine" beschimpft, bevor sie auf ihn eintraten. Hat die Öffentlichkeit wirklich zu schnell geurteilt? Ist den Verharmlosungen der beiden Innenminister womöglich Recht zu geben?
Mitnichten. Denn auch die neuen Mutmaßungen machen den Angriff von Potsdam nicht weniger verachtenswert. Seit wann darf sich ein Schwarzafrikaner nicht verbal wehren, wenn er als "Nigger" beschimpft wird? Seit wann rechtfertigt ein hoher Alkoholpegel einen Schädelbruch?
Dass nun aufgrund von vagen Mutmaßungen das Opfer zum Täter gemacht wird, zeigt: Selbst eine Woche nach dem Angriff scheint nicht angekommen zu sein, worum es wirklich geht. Potsdam war kein brutaler Einzelfall. Die Gefahr für farbige Menschen, Opfer eines rassistischen Angriffs zu werden, ist real. In ganz Deutschland. Die braune Seuche ist längst da.
Nicht der Generalbundesanwalt hat das Ansehen Brandenburgs oder der Republik beschädigt - all die Schäubles und Schönbohms mit ihrem unsäglichen Gerede schaden dem Land. Denn sie haben das Problem Rechtsextremismus immer noch nicht begriffen.
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