So sieht also ein chinesischer Martial-Arts-Fantasy-Blockbuster aus: schrill, quietschbunt, spektakulär, von tiefer gehenden Gedanken unbehelligt. Zum Einstieg gibt es eine furios gemeinte Massenkampfszene, deren grottenschlechte Animation schlimme Erinnerungen an urzeitliche Computerspiele wachruft. Im weiteren kämpfen übermenschlich starke Krieger um eine schöne Prinzessin; rasante Choreografien in luxuriösen Sets versetzen fantastische Kostüme in schwerelose Bewegung; leidenschaftliche Liebe, Machtgier und Rachsucht motivieren das Geschehen; Lug, Trug und Gewalt treiben die Handlung voran.
Astreines Trash-Kino, könnte man angesichts der dargebotenen Opulenz meinen, hieße der Regisseur von "Wu Ji - Die Reiter der Winde" nicht Chen Kaige. 1984 hat Chen mit seinem Erstlingsfilm "Gelbes Land" dem chinesischen Kino einen erneuernden Impuls versetzt, 1993 hat er für "Lebewohl, meine Konkubine" die Goldene Palme erhalten. Dass er nun mit "Wu Ji" weiter nichts als eine bedingungslos kommerzielle Ausstattungsorgie gedreht haben soll, fällt schwer zu glauben. In der Tat birgt das Schicksal der Prinzessin, der eine Göttin um den Preis der erfüllten Liebe Reichtum und Schönheit verheißen hat, eine auf die Gegenwart anwendbare, wenn auch simple Moral, droht doch rasender Materialismus die sozialen Strukturen der chinesischen Gesellschaft zu zerstören. Diesem Zerfall setzt Chen Kaige nun sein farbenprächtiges Märchen entgegen, das auch davon handelt, wie ein vermeintlich unabänderliches Schicksal durch die Macht der Liebe gewendet werden kann.
Allein, auch die frohe Botschaft fällt der Materialschlacht zum Opfer. Angesichts der erdrückenden Übermacht der Schauwerte hat sie ebenso wenig Chancen darauf, Gehör zu finden, wie die Schauspieler Gelegenheit haben, ihre Figuren zu entwickeln. Letzteres schmerzt besonders, weil die Darsteller durchaus über das nötige Talent verfügen, das Herz von "Wu Ji" zum Schlagen zu bringen. Doch mehr als ein trauriges Kammerflimmern lässt die wie irr von Höhepunkt zu Höhepunkt hastende Dramaturgie nicht zu. ALEXANDRA SEITZ
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