• 15.05.2006

hamburg heute

Armut kränkt

Hamburger Kampagne thematisiert Gesundheitsrisiko durch Arbeitslosigkeit

Armut macht krank - diese Erkenntnis ist nicht unbedingt neu, seit Einführung der Praxisgebühr aber aktueller denn je. Rund sieben Prozent aller Hamburger gehen nicht mehr zum Arzt, seit sie zusätzlich zu den Kassenbeiträgen bei den Terminen Bargeld bezahlen müssen. Diese Zahl haben Hamburger Wohlfahrtsverbände ermittelt. Unter anderem darauf gestützt, starten sie heute ihre 3. Kampagne zu verdeckter Armut, die in diesem Jahr den Schwerpunkt Gesundheit haben wird.

Über 200.000 Menschen in Hamburg leben in Armut. Vielfach, so die Organisatoren, sind sie aber nicht nur arm, sondern auch krank, denn sie können Medikamente und Praxisgebühren nicht mehr bezahlen. Arme Menschen sind erwiesenermaßen häufiger krank und haben eine um etwa sieben Jahre geringere Lebenserwartung. Ende April erst warnte der Bundesärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe vor "amerikanischen Verhältnissen" bei der medizinischen Versorgung armer Menschen. Hoppe sprach sich dafür aus, arme Menschen komplett von allen Zuzahlungen einschließlich der Praxisgebühr zu befreien.

Wichtiger Faktor für die krank machende Wirkung von Armut ist demnach die Arbeitslosigkeit: Sie führt nicht nur zu Frustration, sondern auch zu körperlichen Beschwerden - die dann wegen der hohen Zuzahlungen nicht medizinisch behandelt werden. EE

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!

die tageszeitung - das Archiv

Nachdruckrechte

Wollen Sie taz-Texte im Netz veröffentlichen oder nachdrucken, dann wenden Sie sich bitte an unsere Abteilung Syndikation: lizenzen@taz.de.

Hier finden Sie alle seit Juni 2007 auf taz.de erschienenen Beiträge.

Das kostenpflichtige Archiv der gedruckten tageszeitung mit allen Texten seit 1986 finden Sie in der Volltextsuche der taz.

Suchbegriff