Ich habe mich vor zwei Jahren bei der Lektüre von Gustav Schwabs "Troja" in das Heldenepos Fußball verknallt.
Zehn Jahre wird erbittert um den (Helena-)Pokal gekämpft, der mit passiver Lieblichkeit am Rand des Spielgeschehens glänzt. Olympische Manager (Hera und Aphrodite) rekrutieren göttliche Trainer, die Strategien entwerfen (Pallas Athene), anspornen (Poseidon), Spieler ein- und auswechseln oder ihnen Tricks verraten (Apollo). Auf dem Spielfeld nehmen die Griechen mit häufigen Positionswechseln den totalen Fußball vorweg. Troja ist, mit Hektor an der Spitze, pyramidal aufgestellt.
Auf dem Feld wird gekämpft, geschwitzt und gefoult. Pandaros erliegt einer Blutgrätsche und wird von Netzer-Achill gerächt, der sich selber einwechselt, ohne seinen Trainer um Erlaubnis zu fragen. Mittelfeldspieler Paris beendet einen Zweikampf mit Menelaos durch eine Schwalbe: Er lässt sich in schirmendem Nebel vom Platz tragen. Die Griechen sind stinksauer; der Schiedsrichter will nichts gesehen haben. Aber es ereignen sich auch sportliche Gesten: Am Rand des Spielfeldes tauschen der trojanische Glaukos und der Grieche Diomedes ihre Trikots.
Während der Waffenstillstands-Halbzeitpause werden Strategien besprochen und Kräfte gesammelt. Die Zuschauer in den Fankurven bejubeln Helden oder verabschieden sie mit von Trauer schwerer Brust. Zeus wacht mit den drei Schicksalsgöttinnen über das Geschehen, wenn er auch manches echte Foul nicht sieht, weil abgelenkt durch Manager oder Trainer. Geahndet wird nach den Fußball-üblichen Regeln: Achill vergreift sich am Trainer der gegnerischen Mannschaft und muss deswegen gehen. Zuvor hat der sonst mutige, coole und virtuose Hektor die gelbe Karte gesehen, weil er in Achills Trikot das Spielfeld betreten hat.
Die Begegnung ist zäh und lang, über weite Strecken beharken sich einzelne Spieler, ohne dass es zur Spielentscheidung käme. Man geht in die erste Verlängerung, dann in die zweite. Beide Mannschaften sind durch Verletzungen und Platzverweise geschwächt. Schließlich ziehen sich die Trojaner in den eigenen Strafraum zurück; ihr Catenaccio lässt den Griechen kaum eine Chance, zum Tor vorzudringen. Erst durch eine bis dato unbekannte Taktik gelingt es Odysseus, angespielt von Kalchas (der die Umstellung angeregt hatte), das entscheidende Tor zu köpfen. Und Menelaos küsst für alle Griechen den Pokal. GLORIA ZEIN
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