DÜSSELDORF taz
Die "Adelung" durch Bild nimmt Radiomoderator und Sportreporter Manfred "Manni" Breuckmann vom Westdeutschen Rundfunk gerne entgegen. "Ich fühle mich geehrt", sagte der 55-Jährige gestern zur taz. Das Springerblatt hatte ihn auf der Titelseite der gestrigen Ausgabe zum "Verlierer" des Tages gekürt. Breuckmann hatte in der taz nrw unter anderem den übersteigerten Kommerz, den unreflektierten Patriotismus und das aufgeblähte Spielprogramm der diesjährigen Fußball-WM kritisiert. Bild meinte daraufhin: "Dann bleib doch zu Hause, Manni!"
Das Problem war wohl, dass dem Boulevard-Blatt nur eine Zusammenfassung des Interviews vorlag. "Viele Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen", so Breuckmann. Natürlich habe er die Ticketvergabe der Fifa kritisiert, und die Stimmung beim Eröffnungsspiel sei auch nicht so toll gewesen. "Wer aber das komplette Interview gelesen hat, sieht, dass mir die WM sehr wohl Spaß macht. Ich habe die tolle Stimmung in den Stadien sogar ausdrücklich gelobt."
Das Blatt vermisste bei Breuckmann vor allem den "patriotischen Habitus". "Ich kann auch eine Mannschaft unterstützen, ohne die Hand aufs Herz zu legen", sagte er im Interview. Er sei jedenfalls weit entfernt von nationalem Überschwang. Vielleicht hoffte er ja auch auf einen Eintrag in die Geschichtsbücher: "Nach dem 9. Juli wird das schlagartig vorbei sein. Es ist nichts Nachhaltiges. Das Jubilieren der konservativen Politiker und Historiker kommt zu früh." Die Kritik der Boulevardpresse wohl auch. HOLGER PAULER
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